Software-Lösungen für Enterprise Resource Planning (ERP) müssen Branchenspezifika abbilden können.

Im Rahmen einer ERP-Auswahl ist eine der wesentlichen Aufgaben des Projektteams die Sondierung des Marktangebots hinsichtlich relevanter Kriterien zur Absicherung des Investitionsvorhabens.

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Die optimale Passung der im Standard verfügbaren Funktionalität auf die unternehmensspezifischen Anforderungen stehen im Zentrum eines ERP-Projektes. Sie wird maßgeblich von den Gegebenheiten einer Branche geprägt, die wichtige Auswahlkriterien sowohl für das System als auch den Anbieter bzw. das Systemhaus darstellen.

Zwei Beispiele sollen diesen Zusammenhang verdeutlichen.

Beispiel 1: ERP Anforderungen im Anlagenbau

Das erste Beispiel beschreibt den Fall eines klassischen Anlagenbauers. Sein Sortiment umfasst verschiedene Anlagentypen, die jeweils detailgenau den Kundenwünschen entsprechen müssen. Bei jeder abgenommenen Anlage handelt es sich um ein projektgefertigtes Produkt. Eine konsistente, benutzerfreundliche und übersichtliche Projektplanung sowie ein durchgängiges Projektcontrolling gehören daher zu den zentralen Anforderungen eines Anlagenbauers an ein ERP-System. Beispiele für erfolgskritische ERP Funktionen für diese Branche sind

  • die Möglichkeit, einzelne Strukturelemente aus vergleichbaren Projekten in die aktuelle Projektplanung zu kopieren,
  • Meilensteine frei zu definieren,
  • mehrere Projekte gleichzeitig verwalten zu können,
  • bezüglich der Ressourcen die Anpassung der Gesamtauftragssituation bei Veränderungen zu simulieren,
  • den Zahlungsplan mit Verknüpfungen zwischen Zahlungsmeilensteinen und Projektmeilensteinen zu führen oder
  • verschiedene Projektstände als Soll zu fixieren und mit Fortschritt des Projektes mit den Ist-Zahlen zu vergleichen.

Beispiel 2: Anforderungen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie

Schnelllebige Modetrends und eine stetig wachsende Nachfrage der Kunden nach immer individuelleren Produkten prägen die wirtschaftliche Situation. Konfrontiert mit zunehmender Globalisierung und verschärftem Preiswettbewerb sehen sich die westeuropäischen Unternehmen gezwungen, große Teile ihrer Wertschöpfung in (wechselnde) Niedriglohnländer zu verlagern. Beide Effekte führen zu hoher Komplexität der Produktions- und Logistikketten. Eine zuverlässige Absatz- und Bedarfsplanung bildet einen entscheidenden Erfolgsfaktor und somit einen Schwerpunkt bei der Anforderungsdefinition an ein ERP-System. Insbesondere im Bereich der NOS-Artikel (Never out of stock) stellt die Absatzplanung die wesentliche Eingangsgröße in die Bedarfsplanung dar, welche neben der Eigenfertigungsplanung und –steuerung, die über die Netzwerkproduktionsplanung zugeteilt wird, auch die Fremdbezugsplanung und –steuerung umfasst. In dieser Konstellation sind

  • voll integrierte Bedarfsplanungsmodule und
  • Multi-Site-Fähigkeit des ERP-Systems

herausragende Anforderungen an die ERP Anbieter.

Besonderheiten aus den Bereichen Food & Pharma

Anforderungen, wie eine durchgängige Chargenverwaltung auch für Flüssigstoffe, die Berechnung und Verwaltung von Mindesthaltbarkeitsdaten, die Unterstützung von Zerlegeprozessen oder die Verwaltung mehrerer Ergebnisprodukte aus einem Produktionsprozess, greifen sehr tief in die Datenstrukturen der Systeme und können oftmals nur von Branchenspezialisten abgebildet werden.

Über die funktionalen Anforderungen hinaus besteht die immer größer werdende Notwendigkeit einer Branchenspezialisierung für die strategischen Komponenten eines Systems sowie für das Systemhaus oder den Anbieter selbst. Als Beispiel können hier Anbieter für Branchen- oder Nischenlösungen für die pharmazeutische Industrie genannt werden, die Ihre Systeme gezielt nach dem GMP-Leitfaden (Good Manufacturing Practice) ausrichten. Dieser Leitfaden konkretisiert die EG-Richtlinie 2003/94/EG zur Festlegung der Grundsätze und Leitlinien der guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmter Prüfpräparate. Die Zertifizierung eines ERP Systems als GMP-konform in diesem Umfeld zeigt die strategische Ausrichtung des Systems auf die Herstellung von Pharmazeutika oder pharmazeutischen Prüfmitteln.

Spätestens Anfang 2018 muss eine echte Herausforderung für ERP-Systeme speziell im Bereich der Arzneimittelherstellung bzw. -Verpackung umgesetzt sein: Zum Schutz vor Fälschungen und um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln sicherzustellen, muss auf der Verpackung als Sicherheitsmerkmal ein 2D Barcode angebracht werden, der den Code des Arzneimittelherstellers, eine randomisierte Serialisierungsnummer, ggf. eine nationale Nummer für die Kostenerstattung, die Chargennummer und das Verfalldatum beinhalten wird. Dieses Sicherheitsmerkmal wird über die gesamte EU einheitlich sein.


Die Trovarit ist Spezialist für Projekte im Umfeld von Business Software und hat sich insbesondere einen Namen als verlässlicher, neutraler Partner bei der Evaluation, Einführung und Einsatzoptimierung von ERP Lösungen gemacht. Jetzt haben die Aachener ein eigenes ERP/CRM-Projekt aufgesetzt, um ihre Prozesse besser zu unterstützen.

Ausgangslage: Heterogene Software-Landschaft
Wie die meisten Start-ups, insbesondere in der Dienstleistungsbranche, führte auch die Trovarit AG direkt nach der Firmengründung im Jahr 2000 mit MS Excel das meistgenutzte ERP-System der Welt ein. Für das Kundenkontaktmanagement wurde nach kurzer Zeit zusätzlich Cobra Adress+ eingeführt. Seit 2009 nutzt die Trovarit für das Finanzwesen Datev – Unternehmen Online in Verbindung mit den Dienstleistungen des Steuerberaters. Das „Trovarit-Projektportal“, eine selbst entwickelte Online-Lösung dient für Projektmanagement und -Abrechnung. Insgesamt alles gute Lösungen, die die Trovarit-Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt haben.

Aber auch ein ziemlich bunter Strauß von Lösungen, der immer wieder durch eigenes Customising aufgefrischt und erweitert wurde: da wurde „angeflanscht“ oder „reingefrickelt“, „totgeschaltet“ und „hart-verdrahtet“ – dieses spezielle Entwickler-Vokabular für vorläufige Maßnahmen, die dann langfristig im Einsatz bleiben, dürfte vielen bekannt sein.

Heute, nach 15-jähriger Weiterentwicklung der Geschäftsfelder und mit mehr als 15 Standorten im In- und Ausland, sind die Anforderungen an die Software-Unterstützung der Prozesse so weit gestiegen, dass eine neue Lösung her muss.

Keine Angst vor ERP Projekten

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Das Projekt „Minerva“ wird dabei eine echte „Probe auf’s Exempel“ für die Trovarit AG, denn die Verfahren und Werkzeuge, mit denen ihre Mitarbeiter Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenordnungen bei der Auswahl und Einführung von ERP Software unterstützen, kommen jetzt natürlich auch zum Einsatz. Auch wenn sich alle Projektbeteiligten sicher sind, dass sich die Tools und Services ohne Probleme bewähren werden, kann ein wenig überirdischer Beistand nicht schaden. Mit Minerva hat sich die Trovarit die Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes, Schutzgöttin der Dichter und Lehrer, Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus sowie Hüterin des Wissens als Patin ausgesucht.

Der komplette Selbsttest wird offen und ehrlich im eigens eingerichteten Projekt-Blog dokumentiert: www.trovarit.com/minerva


Deltek, einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware und Informationslösungen für professionelle Dienstleistungsunternehmen, meldet in einer Pressemitteilung vom 29. Juli 2014, dass er TECOSIM als Kunden für seine branchenspezifische ERP-Lösung Deltek Maconomy (ERP = Enterprise Resource Planning) sowie die Ressourcenplanungssoftware Deltek People Planner gewinnen konnte.

Als einer der weltweit führenden Anbieter für Computer Aided Engineering (CAE), beschäftigt TECOSIM weltweit rund 400 Berechnungsingenieure und erarbeitet Lösungen in den Bereichen Mobilität, Energie, Industrie & Technik sowie Gesundheit. Um dem weiteren geplanten Wachstum gerecht zu werden benötigt das Unternehmen eine integrierte Lösung. Die ERP-Lösung Deltek Maconomy wird sowohl in den inländischen Niederlassungen in Deutschland als auch in den ausländischen Tochtergesellschaften einsetzen, um die Prozesse für das Finanzmanagement, das Projektmanagement und die Ressourcenplanung zu verbessern und die Projektrentabilität zu optimieren.  Die bisherigen Systeme werden durch die neue ERP-Software ersetzt.

Die Auswahl der passenden ERP-Software wurde durch die Trovarit AG, Aachen, begleitet, die sich auf Business Software-Projekte spezialisiert hat und mit dem IT-Matchmaker® (www.it-matchmaker.com) ein leistungsfähiges Werkzeug für die Auswahl und Ausschreibung von Software-Projekten anbietet.

Mit Deltek Maconomy kann TECOSIM nun komplexe Projekte mit einer integrierten Lösung durchführen und verwalten. Ein entscheidender Vorteil von Deltek Maconomy und People Planner sind die Mehrwährungsfähigkeit und die unternehmensübergreifende Abrechnungsfunktion. Diese ermöglichen auch internationale Projekte effizient abzuwickeln. So erhält TECOSIM eine integrierte Komplettlösung für das Projekt- & Finanzmanagement, inkl. tagesaktueller Projektinformationen.

„Nach Abschluss eines umfassenden Prüf- und Auswahlprozesses haben wir uns für Deltek als Anbieter entschieden. Das Unternehmen kennt unsere Branche genau. Überzeugt haben uns darüber hinaus die internationale Ausrichtung, das erfahrene Team und die vielen positiven Kundenreferenzen. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit,“ so Jürgen Veith, Vorstand von TECOSIM.

„Wir sind stolz, mit TECOSIM ein weiteres Engineering-Unternehmen als Kunden gewonnen zu haben. Unser Ziel ist es, in Deutschland mehr Unternehmen mit Projektgeschäft mit unseren Lösungen auszurüsten. Dabei hilft uns neben unserer Präsenz auf diesem Markt auch unsere breite Palette an maßgeschneiderten Angeboten. Unsere Produkte sind auf Unternehmen wie TECOSIM ausgerichtet,“ so Claus Thorsgaard, Geschäftsführer Deltek Deutschland GmbH und EVP & General Manager, Deltek Professional Services.


Die zunehmende Vernetzung und Geschwindigkeit von Geschäftsabläufen macht nicht an Ländergrenzen halt. Internationalisierung ist daher ein Kernbestandteil erfolgreicher Unternehmensstrategien im globalen Markt. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Die zunehmende Digitalisierung von Unternehmensabläufen beschert deutschen Firmen zusätzliches Wachstumspotenzial auf dem Weltmarkt, wie eine aktuelle Studie des Bitkom belegt. Fast 50 Milliarden Euro Exportumsatz wurde demnach allein im Jahr 2012 durch die Digitalisierung generiert.

Initiativen wie ERP 2020 und Industrie 4.0 zeigen, dass die IT-Anbieter die Zeichen der Zeit erkannt haben und Anwenderunternehmen bei ihrem Transformationsprozess in Richtung Echtzeit-Business unterstützen. Doch der Blick in die Praxis des deutschen Mittelstands zeigt: Zunächst geht es vor allem darum, Standardprozesse wie Angebotserstellung, Auftragsabwicklung und Abrechnung auf internationaler Ebene rechtlich einwandfrei und so effizient wie möglich abzubilden. Damit das gelingt, muss die eingesetzte Unternehmens-Software eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen – auch dann, wenn das jeweilige Anwenderunternehmen selbst keine Standorte im Ausland betreibt.

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No English, please

Mehrsprachigkeit ist eine zentrale Anforderung an ERP-Systeme für den internationalen Geschäftsverkehr. Wer Waren ins Ausland liefert, sollte beispielsweise in der Lage sein, Lieferscheine in der jeweiligen Landessprache auszudrucken, unabhängig von der Frage, wo sich die Firmenstandorte befinden. Für die ERP-Software bedeutet das: Sie muss Unicode-fähig sein, um auch Sprachen mit Sonderzeichen wie Arabisch oder Russisch verarbeiten zu können. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn eine Firma Standorte im Ausland unterhält: In diesem Fall müssen auch die Benutzeroberfläche und das Hilfesystem in der Landessprache verfügbar sein. Englisch als „Weltsprache“ ist in vielen Ländern kein adäquater Ersatz, weil nicht alle Benutzer eines ERP-Systems über den dazu nötigen Bildungsstandard oder die kulturelle Bereitschaft verfügen.

 Alles rechtens?

Andere Länder, andere Gesetze – und andere Währungen. Diese Tatsache macht Unternehmen weltweit zu schaffen. Selbst innerhalb der EU sind bei einem Standardprozess wie der Rechnungserstellung unterschiedliche Gegebenheiten wie etwa verschiedene Mehrwertsteuersätze zu berücksichtigen. Hinzu kommt: Nicht nur in Deutschland und Europa ändern sich die Gesetze. Besonders häufig geschieht dies in Staaten wie Russland oder China. Und in Brasilien beispielsweise empfehlen selbst die Vertreter eines weltweit marktführenden ERP-Herstellers, für die Buchhaltung lokale Speziallösungen zu wählen, da es ihnen nicht wirtschaftlich möglich sei, angesichts der häufigen Änderungen der Finanz- und Steuergesetzgebung vor Ort die Aktualität der Systeme in diesem Bereich zu gewährleisten. Auch Zollbestimmungen und Umweltverordnungen ändern sich vielerorts häufig.

Multi-Site-Management für Intercompany-Prozesse

Firmen, die mit „verlängerter Werkbank“ im Ausland arbeiten, kennen die Aufgabe: Der Kunde in Land A bestellt ein Produkt, das in Land B gefertigt wird. Lieferschein und Rechnung werden von der Unternehmenszentrale in Deutschland erstellt. Damit dieser Prozess möglichst schnell und reibungslos abläuft, ist ein hohes Maß an Automatisierung erforderlich. Moderne ERP-Lösungen bringen die dazu nötige Funktionalität in der Regel mit, doch unterscheiden sich die Systeme im Detail teilweise recht deutlich. Entscheider sollten sich derartige Abläufe deshalb im Hinblick auf die Eignung für das eigene Business demonstrieren lassen – unter realen Bedingungen. Genauso wichtig ist ein zentrales Daten-Management, das mit Transparenz in der Buchhaltung und möglichst effizientem Controlling schnelle und fundierte unternehmerische Entscheidungen unterstützt.

ERP als Wachstumsförderungsprogramm

Wachstum ist ein zentrales Ziel bei jeder Internationalisierung. Dabei geht es nicht nur um mehr Benutzer und neue Standorte. Auch eine geänderte Geschäftsform, neue Unternehmensbereiche, wie etwa eine zugekaufte Fertigung, sowie neue Vertriebskanäle müssen Unternehmen möglichst schnell und reibungslos integrieren, wenn sie ihre Markposition ausbauen wollen. ERP-Lösungen müssen deshalb in möglichst vielen Dimensionen anpassbar sein – das zeigen auch die regelmäßigen Anwenderbefragungen der Trovarit AG. Skalierbarkeit und Flexibilität sind Kernanforderungen, wenn die ERP-Software das internationale Wachstum fördern und nicht behindern soll.

Die Zusammenarbeit ist erfolgsentscheidend

Aus repräsentativen Befragungen von ERP-Anwendern und aus unserer Beratungstätigkeit wissen wir: Die Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Implementierungspartner und Anwenderunternehmen ist entscheidend für den Erfolg von ERP-Einführungen. Für internationale ERP-Projekt bedeutet das: Entscheider sollten von Anfang an gezielt nach der Vor-Ort-Unterstützung im Ausland fragen, sowohl während der Implementierungsphase als auch danach:

  • Unterhält der Anbieter selbst Standorte in den Staaten, in denen die Lösung eingesetzt werden soll?
  • Welche konkreten Services erbringt der Hersteller selbst vor Ort?
  • Sind personelle Ressourcen für technische Problemlösungen vorhanden?
  • Verfügt der Anbieter über Partner mit muttersprachlichen Fachleuten in den jeweiligen Ländern?
  • Wie ist die Zusammenarbeit der Niederlassungen und/oder Partner in verschiedenen Ländern geregelt?
  • Welche Qualifikationen haben die handelnden Personen in den beteiligten Ländern aufzuweisen? Zertifikate? Referenzen?
  • Wer ist der zentrale Ansprechpartner für den Kunden?
  • Gibt es ein einheitliches, transparentes Verfahren für die Software-Einführung mit standardisiertem Berichtswesen über den Projektverlauf?
  • Wie läuft der Roll-Out ab? Ist die muttersprachliche Schulung der künftigen Benutzer gewährleistet?
  • Wie ist der Support nach der Einführung organisiert?

Kein System kann alles

Nach unseren Erkenntnissen gibt es derzeit keinen ERP-Hersteller, dessen Produkte weltweit in vollem Funktionsumfang in der gleichen Qualität verfügbar sind. In den meisten Fällen wird dies auch nicht benötigt. Umso wichtiger ist es, im Projektverlauf möglichst früh zu definieren und zu dokumentieren, welche Anforderungen wo erfüllt sein müssen, um die geeignete Lösung – oder eine Kombination verschiedener Lösungen – zu finden. Dabei sollten unbedingt auch die geplante Entwicklung des Unternehmens und die daraus resultierenden künftigen Anforderungen mit einbezogen werden. In der Regel ist es am Schluss eine Frage der Bewertung einzelner Anforderungen, für welches System sich der Anwender entscheidet. Zwei Punkte allerdings sollten immer gegeben sein, bevor es an die Realisierung geht: Muttersprachliche Unterstützung vor Ort und die Möglichkeit zum Austausch mit Kunden, die vergleichbare Anforderungen haben.

ERP im Ausland ist mehr als Software

Zwar sind moderne ERP-Systeme prinzipiell immer für den internationalen Einsatz konzipiert, doch die Tücken der Praxis stecken im Detail. Dabei geht es nicht nur um technische und funktionale Aspekte der Software. Vielmehr kommt gerade beim internationalen Einsatz den Faktoren Service und Beratung erhebliche Bedeutung zu. Denn eine umfassende Funktionalität nützt dem Anwender nichts, wenn er niemanden hat, der ihn bei der Einführung der Lösung an seinen Auslandsstandorten unterstützt. Entscheider, die sich mit der Einführung von ERP-Systemen für den internationalen Einsatz befassen, sollten daher von Anfang an bedenken, dass es nicht nur um die Anforderungen an die Software geht. Ebenso wichtig ist beispielsweise die Klärung der technischen Randbedingungen: Welche Leitungen sind mit welchen Bandbreiten an den unterschiedlichen Standorten verfügbar? In Schwellenländern ist häufig auch die Stromversorgung ein Thema. Um sicherzugehen, dass keine wichtigen Punkte übersehen werden, sollten Anwender grundsätzlich auf drei Erfolgsfaktoren für internationale ERP-Projekte achten:

  1. Gehen Sie systematisch vor – sowohl bei der Auswahl von Hersteller und System, als auch bei der Implementierung Ihrer ERP-Lösung.
  2. Sichern Sie sich die Unterstützung durch Partner mit Erfahrung in Ihren Märkten.
  3. Nehmen Sie Ihre Belegschaft an den verschiedenen Standorten mit. Wenn Sie wollen, dass Ihre Lösung in Brasilien, Indien, Russland oder China genutzt wird, müssen die dortigen Anwender nicht nur die Benutzeroberfläche, sondern auch die Logik des Systems verstehen.

Die wichtigsten Ziele des ERP-Einsatzes lassen sich in einem Satz zusammenfassen: „‚Schneller Zugriff‘ auf ‚bessere Informationen‘ um die ‚Geschäftsprozesse zu optimieren‘“.

Eine zentrale Rolle kommt hierbei dem Endanwender des Werkzeugs „ERP-Software“ zu: Schließlich ist der Anwender häufig Lieferant und fast immer Abnehmer der Daten und Informationen, die in der ERP-Lösung verarbeitet werden.

Bei der Auswahl einer ERP-Lösung zählen dann auch Aspekte wie die „Praktikabilität“ und „Ergonomie“ der ERP-Software mit zu den wichtigen Kriterien – wenn auch deutlich nach der „Funktionalität“ und der „Flexibilität“ der Software.

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Diese Priorisierung ist weitgehend nachvollziehbar, denn die ERP-Software benötigt einen bestimmten Funktionsumfang, um die gesuchte Unterstützung der Geschäftsprozesse zu bieten. Da Unternehmensstrukturen selten über einen längeren Zeitraum unverändert bleiben und sich die Geschäftprozesse mit der Zeit ändern, ist auch die Forderung nach hoher Flexibilität verständlich.

Gleichzeitig birgt aber die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen – nicht zuletzt auch getrieben durch immer umfassendere und leistungsfähigere ERP-Lösungen – erhebliche Herausforderungen für den Anwender: Mit den wachsenden Möglichkeiten geht eine deutlich steigende Komplexität der Software einher. Insbesondere neuen Mitarbeitern sowie „gelegentlichen Nutzern“ fällt da die Orientierung schwer.

So wundert es wenig, dass die Anwenderfreundlichkeit in der Vergangenheit nicht gerade zu den ausgesprochenen Stärken von ERP-Lösungen zählte. Tatsächlich gibt es hier seit Jahren eher mäßige Noten von den Anwendern, womit sich die „Ergonomie“ in die „steten Herausforderungen“ einreiht.

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Diese Kritik ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Anwender heute aus dem privaten Bereich ausgesprochen anwenderfreundliche, selbsterklärende Software gewohnt sind. Das kleine Kind, das intuitiv eine Smartphone-App richtig bedient, stellt sicherlich eine Referenz dar, von der ERP-Lösungen derzeit meist noch weit entfernt sind.

Ob nun getrieben durch die regelmäßige Kritik ihrer Kunden, angeregt durch das Vorbild vieler „App“lications oder schlicht aufgrund der Tatsache, dass die Effizienz des ERP-Einsatzes durch eine gute Ergonomie verstärkt zum Verkaufsargument wird: Die ERP-Hersteller nehmen die Usability ihrer Software offenbar zunehmend ernst.

Mit dem Ziel einer neuen „User Experience“ investieren sie verstärkt in neue Ansätze wie z.B.

  • eine benutzerzentrierte, rollenbasierte Oberflächengestaltung
  • Workflows zur besseren Anwenderführung und
  • „App“lifizierung komplexer Business Software

Und diese Anstrengungen scheinen sich auszuzahlen, denn Anwender mit modernen ERP-Lösungen auf aktuellem Release-Stand bewerten die Anwenderfreundlichkeit ihrer ERP-Lösung deutlich besser als Anwender mit älteren Software-Installationen.

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unterstuetzte-mobilplattformenAuswertungen aus dem IT-Matchmaker der Trovarit zu 229 ERP-Lösungen zeigen, dass aktuell knapp zwei Drittel der untersuchten ERP-Produkte zumindest eine der am Markt vertretenen Mobil-Plattformen unterstützen. Mobile Computing etabliert sich demnach als Bestandteil von ERP-Lösungen und eine wachsende Anzahl ist für den mobilen Einsatz mit Smartphone oder Tablet aufgestellt.
Im Detail liegen die Windows Mobile-basierten Geräte mit deutlich über 50 Prozent vorne, gefolgt vom iPhone und iPad mit jeweils gut 30%. Die bei Smart-Phones und Tablets mittlerweile am weitesten verbreitete Plattform „Android“ wird dagegen nur von knapp 25 Prozent der Lösungen unterstützt. Insgesamt ist fast die Hälfte der „mobilen“ ERP-Lösungen auf eine Mobilplattform beschränkt (z.B. iOS oder Windows Mobile oder Android). Angesichts der Vielfalt an Endgeräten, die erfahrungsgemäß aus der weit verbreiteten Strategie des „Bring Your Own Device“ (BYOD) resultiert, kann man dies durchaus als relevante Einschränkungen der mobilen Nutzbarkeit betrachten. Die starke Präsenz der Windows Mobile Plattform hängt sicherlich zumindest zum Teil auch daran, dass sowohl Server- als auch Client-Technologien aus dem Hause Microsoft im ERP-Segment die mit Abstand am weitesten verbreiteten Plattformen darstellen. Immerhin unterstützen knapp 90% der ERP-Produkte einen Windows-Server und stolze 98,5% zumindest einen der Windows-Clients. Diese Asymmetrie zwischen den Technologien der Business-Software einerseits und den – oft durch persönliche Präferenzen bestimmten – Mobile Devices wirft derzeit noch Fragen bzgl. der „Mobility“ von ERP-Software auf.


Anwender von ERP Lösungen sehen sich derzeit mit einer ganzen Reihe von „Trends“ konfrontiert: Den Experten zufolge kommt man zukünftig um „ERP aus der Cloud“ nicht mehr herum, weil sich damit der ERP Einsatz flexibilisieren und gleichzeitig Kosten sparen lassen. Gleichzeitig ist „Big Data“ das Mittel, um der ständig wachsenden Datenflut Herr zu werden. Im Sinne des Trends zu mehr „Business Intelligence“ lassen sich so aus den Daten nützliche Informationen gewinnen. „Business Apps“ in Verbindung mit Smartphones oder Tablet-PCs machen den ERP Einsatz mobil und ermöglichen die Arbeit mit der ERP-Lösung von überall und zu jeder Zeit. Die Anbindung von „Social Networks“ (LinedIn, Xing, Facebook etc.) eröffnen neue Chancen für Marketing und Vertrieb sowie für die Bindung von Mitarbeitern oder Kunden durch entsprechende Gruppen und Foren. Über diese Hype-Themen hinaus offenbart die Praxis, dass immer mehr Aufgabenbereiche in den Unternehmen „digitalisiert“ werden. So wachsen die Software-Landschaften in den Unternehmen in Bereiche bspw. CRM, ECM, BI und SCM. Über das Ziel sind sich dabei alle einig: eine bereichsübergreifende Auftragsabwicklung bzw. Planung- und Steuerung der Unternehmensressourcen ohne Probleme durch Medienbrüche, Mehrfacheingaben und inkonsistenter Datenhaltung. Allerdings werden hier gegenläufige Trends propagiert. Dem Trend zu immer umfassender integrierten Software-Paketen, die alle Anforderungen aus einer Hand abdecken, steht die Vision des „Best-of-Breed“ gegenüber, bei der die jeweils besten Speziallösungen weitgehend frei miteinander kombiniert werden können. Die Protagonisten der „Integrierten ERP-Lösung“ setzen dabei auf den Vorteil der Durchgängigkeit und der Einheitlichkeit, die bei einem Hersteller naheliegt. Die Vertreter von „Best-of-Breed“ betonen dagegen den Vorteil der Spezialisierung und verweisen bei Schnittstellen etc. auf verfügbare Software-Technologien und –Standards. Und schließlich sorgt auch der Gesetzgeber für Gesprächsstoff, wenn es um ERP geht. Z.B. resultieren aus den Regularien für den einheitlichen EURO-Zahlungsverkehrsraum (SEPA) und aus den ab dem Geschäftsjahr 2013 zwingend zu bedienenden Vorgaben für die E-Bilanz neue Anforderungen an ERP-Lösungen.

Orientierung ist notwendig

Wenn Unternehmen angesichts dieser Flut von Trends derzeit ihre ERP-Infrastruktur erneuern wollen – sei es durch Modernisierung der vorhandenen oder durch Anschaffung einer neuen ERP Lösung – dann sollte man sich auf das wesentliche konzentrieren: eine ERP Lösung ist letztlich ein Werkzeug, das hilft, Strategien zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen mit Leben zu füllen. So nennen dann auch die Teilnehmer der Trovarit-Studie „ERP / Business Software: Nutzenbeitrag der Modernisierung“ die Steigerung der Effizienz und Schnelligkeit der Unternehmensprozesse als wichtigste IT-relevante Strategie der kommenden Jahre. Dicht gefolgt von Strategien, die insbesondere darauf abzielen, Prozesse nicht nur effizient gestalten sondern auch effizient umgestalten zu können. Die optimale Prozessunterstützung durch ein umfassendes und ausgereiftes Funktionsset einer ERP Lösung wird zwar weiterhin die wesentliche Zielgröße in der Gestaltung der Unternehmens-IT sein. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dynamik in den Geschäftsprozessen und der bereichsübergreifenden Vernetzung der Informationen, erhält die Fähigkeit Unternehmensprozesse und unterstützende Business Software schnell und gezielt an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen, jedoch immer größere Bedeutung. Vorteile moderner ERP Lösungen
Für den tatsächlichen Einsatz von Business Software leiten sich aus dieser Entwicklung sowohl auf der strategischen Ebene als auch im täglichen operativen Betrieb Anforderungen ab, die bei einer ERP Auswahl berücksichtigt werden sollten. Hierzu zählen u.a.:

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  • Offenheit für Anpassungen aufgrund einer geeigneten, modernen Softwarearchitektur. Serviceorientierte Architekturen und geeignete Schalenmodelle mit klaren Regeln für Anpassungen durch Hersteller, Anbieter von Branchen-Templates, Implementierungspartner und Anwender verbessern die Anpassbarkeit und schützen die Release-Fähigkeit einer angepassten Installation.
  • Gute modulare Ergänzungsmöglichkeiten mit zusätzlichen Funktionsumfängen. Wächst mit der Zeit der Bedarf an geforderter Funktionalität, z.B. durch Ausweitung in verschiedene Bereiche wie Customer Relationship Management (CRM), Enterprise Content Management (ECM) oder Business Intelligence (BI), so ist eine integrierte Lösung als zusätzliches Modul einer bestehenden Lösung meist leichter einzuführen und zu pflegen, als die Anbindung einer weiteren Lösung über Schnittstelle.
  • Einfache Anbindung über Standardschnittstellen. Sei es für den überbetrieblichen Informationsaustausch (z.B. EDI) oder für die Anbindung bestehender Lösungen bei denen ein Ersatz durch ein integriertes Modul aus welchen Gründen auch immer nicht sinnvoll erscheint: Verfügbare Standardschnittstellen reduzieren den Aufwand und vermeiden das Entwicklungsrisiko einer Individual-Schnittstelle.
  • Ergonomische Benutzerführung. Eine eingängige, nachvollziehbare und vor allem einfache und schnelle Bedienbarkeit ermöglicht nicht nur effizientes Arbeiten. Sie verringert den Aufwand für die Einarbeitung nach Einführung oder umfassenden Anpassungen und sorgt für eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern. Das Potenzial des Software Einsatzes wird schneller und umfassender genutzt und die Nutzung Excel-basierter „Workarounds“ wird verhindert.
  • Werkzeuge zur Umsetzung und Verwaltung von Anpassungen von Prozessen, Datenstrukturen, Oberflächen und Formularen. Mit geeigneten Tools können nicht nur Anpassungen schneller durchgeführt werden, auch können Anpassungen besser dokumentiert, die Auswirkungen einfacher geprüft und der Aufwand für kommende Releases deutlich reduziert werden.

Empfehlung für mittelständische Unternehmen

Die beschriebenen Trends führen zu einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Software-Lösungen, die sich dem Mittelstand verschrieben haben. Für ein suchendes Anwenderunternehmen kann die Investitionsentscheidung somit ein mühseliges und in Anbetracht der Investitionsvolumina, des Einführungsaufwands und der langfristigen Auswirkungen auch ein durchaus riskantes Unterfangen werden. Deswegen sollten auch mittelständische Unternehmen unbedingt auf eine strukturierte Vorgehensweise zurückgreifen, die über die Klärung der Anforderungen (Prozesse, Lastenheft) und Marktrecherche (Messen, Fachzeitschriften, Internet, Rechercheplattformen) zu einer überschaubaren Favoritenliste führt. Anschließend kann über Präsentationen und Systemtests vor Ort der Kandidat für Vertragsverhandlungen ermittelt werden. Dabei sollte nicht zuletzt berücksichtigt werden:

  • Funktionale Eignung
  • Branchen-, Fach- und Projektkompetenz des Implementierungspartners
  • Größe und Standorte des Anbieters
  • Moderne technologische Basis
  • Ergonomische Benutzerführung
  • Angemessene Anpassbarkeit und Flexibilität
  • Geeignetes Bereitstellungskonzept

Aber nicht nur zu einer Neueinführung gilt es, sich intensiv mit den Anforderungen an die eigene Business Software auseinanderzusetzen. Angesichts von Nutzungsdauern jenseits von 15 Jahren, der voranschreitenden technologischen Entwicklung und der sich ändernden Abläufe in den Unternehmen driften mit der Zeit fast zwangsläufig die ERP-Lösung und die zu unterstützenden Prozesse auseineander. Wird hier nicht regelmäßig durch Modernisierung der Software und ggf. Überprüfung der Prozesse nachjustiert, reduziert sich der Mehrwert des Einsatzes von Business Software signifikant. Die Trovarit-Studie belegt eindrucksvoll, dass technologisch aktuelle ERP-Installationen hinsichtlich ihres Nutzens deutlich positiver bewertet werden. Insbesondere wenn es um die Einfachheit, die Transparenz und die Schnelligkeit von Prozessen geht, werden die aktuelleren Installationen besonders gut bewertet. Es zeigt sich also, dass die regelmäßige Pflege der Lösungslandschaft ebenso einen erheblichen Beitrag zur Prozessbeherrschung liefern kann wie eine erfolgreiche Neuauswahl.


Die CARL FUHR GmbH & Co. KG, traditionsreicher Hersteller von Schlössern und Beschlägen, beschäftigt 230 Mitarbeiter am Stammsitz Heiligenhaus. Über 100 weitere sind für FUHR an anderen Standorten im Einsatz. Zu den Produkten von FUHR gehören beispielsweise moderne Fenster-Verschlüsse (Dreh-Kipp), Mehrpunktverriegelungs-Systeme für Haus- und Wohnungstüren oder elektronisch gesteuerte Motorschlösser. Die zunehmende Internationalisierung und Produktkomplexität stellte neue Anforderungen an die IT-Unterstützung, die das bisher eingesetzte Warenwirtschaftssystem nicht leisten konnte. Bei der Auswahl des neuen ERP Systems legte FUHR vor allem Wert auf

  • Zukunftssicherheit der Software
  • Anwenderfreundlichkeit
  • Integration von Warenwirtschaft, BDE, CRM, Fibu, DMS und QS
  • Verfügbarkeit in den relevanten Landessprachen und Lokalisierung der gesetzlichen Vorgaben

Nach mehreren Präsentationsrunden entschied sich FUHR für das ERP System abas Business Suite von ComputerKomplett SteinhilberSchwehr. Der Start des Echtbetriebs ist für den 01.01.2015 geplant. Es werden dann rd. 1.000 Kunden und über 10.000 Artikel in dem System verwaltet, welches von 105 Anwendern in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Großbritannien genutzt wird. Im Zuge der abas Einführung wird ComputerKomplett das bestehende BDE-System integrieren, CRM, Fibu und DMS ablösen und ein Qualitätsmanagementsystem einführen. Parallel zur Einführung des neuen ERP Systems wird auch die IT-Infrastruktur bei FUHR erneuert. Neben der Lieferung und Installation komplett neuer Server-Hardware, nutzt FUHR in Zukunft an zwei Standorten auch VMware zur Virtualisierung der IT-Landschaft.


In vielen produzierenden Unternehmen steht kurz- bis mittelfristig die Modernisierung ihrer ERP PPS Lösung an. Die häufigsten Auslöser für ERP Projekte sind dabei

  • das Alter der vorhandenen ERP PPS Software
  • die Unzufriedenheit der Anwender mit der ERP PPS Software bzw. dem Anbieter (Wartungspartner) der ERP PPS Software sowie
  • die Unfähigkeit der vorhandenen ERP PPS Infrastruktur, neue Anforderungen abzudecken, die sich aufgrund geänderter Geschäftsprozesse oder einer geänderten Gesamtausrichtung des Unternehmens (z.B. Übernahmen bzw. Verkauf von Unternehmensteilen) ergeben.

Von einem neuen bzw. modernisierten ERP PPS System erwarten die Unternehmen Unterstützung für eine der wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre: die Steigerung der Effizienz und Schnelligkeit der Unternehmensprozesse. Es gilt dabei nicht nur, die richtigen Informationen wie in einer „gläsernen Fabrik“ vorliegen zu haben sondern diese Informationen auch in „Echtzeit“ in den Planungs- und Steuerungsprozessen verwenden zu können. Einen zentralen Aspekt stellt dabei vermehrt die vertikale Integration der Planungsebenen von der Ressourcengrobplanung bis zur Feinplanung und -steuerung dar. Vor dem Hintergrund der Komplexität der betrieblichen Auftragsabwicklungsprozesse in produzierenden Unternehmen einerseits und der meist langfristigen Nutzungsdauer andererseits, sollte die Investition in ein ERP PPS System jedoch auf eine solide Grundlage gestellt werden. Und das ist gar nicht so einfach: Ganz abgesehen davon, dass die meisten Unternehmen wenig bis keine Erfahrung mit der Auswahl eines ERP PPS Systems haben, spielen viele interne Aspekte (Strategie, Unternehmenspolitik, Funktionalität, Budget, Ausgangslage etc.) in die Entscheidung hinein. Hinzu kommt, dass auch die andere Seite – der Markt für ERP PPS Systeme – einige Herausforderungen bereithält. Nicht zuletzt geistern die verschiedensten Hypes und Modeworte durch Fachzeitschriften und Produktinformationen, so dass es immer schwieriger wird, echte Innovationen und für das eigene Unternehmen passende Konzepte herauszufiltern. Hier setzt der „Aachener Marktspiegel Business Software ERP/PPS 2013/2014“ an, der anlässlich der 20. Aachener ERP-Tage 2013 vom Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) und Trovarit AG erschienen ist. Auch in seiner 7. Neuauflage bietet der Marktspiegel wieder beides: fundierte Tipps zur Vorgehensweise bei ERP PPS Auswahlprojekten sowie Orientierung auf dem undurchsichtigen Markt für ERP PPS Software. Was können die Systeme, wo gibt es Lücken in der Prozessunterstützung, welche branchenspezifischen Anforderungen werden von den verfügbaren Lösungen abgedeckt – diese Fragen werden dabei genauso thematisiert wie bewährte Methodiken und Fallstudien zur Systemauswahl.


Verfolgt man die Publikationen und Diskussionen der Auguren im IT-Markt, dann gewinnt man schnell den Eindruck, als gäbe es in naher Zukunft kaum Alternativen zu Business Software Lösungen aus der Cloud (auch Software-as-a-Service/SaaS). Auch aktuelle Studien, wie z.B. die repräsentativen BITKOM-Studie „Cloud-Monitor 2013“, zeigen immer wieder, dass der Anteil der Unternehmen stark steigt, die Cloud-Lösungen nutzen. Bei „Private Cloud“-Lösungen, die vom Dienstleister exklusiv für einen Kunden eingerichtet und betrieben werden, ist die Verbreitung binnen Jahresfrist um gut 25% gewachsen. Mit ca. 66% noch größer ist der Zuwachs im Bereich der „Public Cloud“, bei der die Software-Lösung für viele Kundeninstanzen gleichzeitig betrieben wird. Allerdings muss man an dieser Stelle deutlich relativieren. So ist das Ausgangsniveau des starken Wachstums relativ bescheiden: Bei der Mehrzahl der heute betriebenen Szenarien handelt es sich um „Private Cloud“-Szenarien. BITKOM meldet hier aktuell eine Nutzung durch 34% der Unternehmen während es bei der „Public Cloud nur 10% sind. Die „Private Cloud“ ähnelt dem bekannten Hosting. Hier fallen viele Vorteile der Cloud jedoch drastisch weniger ins Gewicht als bei der „Public Cloud“, da sich die Skalierbarkeit und das Einsparpotential bestenfalls auf die Hardware-, Netzwerk- und ggf. Datenbankinfrastruktur beziehen kann und nicht auf die – meist deutlich teureren – Software-Applikationen. Noch stärker wird die Cloud-Euphorie dadurch entzaubert, dass laut BITKOM der weitaus größte Teil der „Private Cloud“-Nutzer sogenannte „Interne Private Clouds“ betreibt – man kann das auch „Betrieb eines firmeneigenen Rechenzentrums“ nennen. Und schließlich werden bei vielen Marktanalysen Anwendungsfelder einbezogen, die nur Randbereiche einer betrieblichen Software-Infrastruktur darstellen, bzw. streng genommen gar nicht zum Bereich der Business Software gezählt werden können, z.B. Telefonie, Security-Lösungen (z.B. Firewall) oder Collaboration (z.B. Web-Meetings, Dropbox).

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Analysiert man die Anforderungsprofile bei aktuellen Beschaffungsentscheidungen zentrale Business Anwendungen wie ERP oder Materialwirtschaft (vgl. www.it-matchmaker.com), dann zeigt sich, dass die Business Software Clouds auch in der näheren Zukunft relativ tief hängen werden: In Abhängigkeit vom Einsatzbereich der Software bewegt sich der Anteil der Neuanschaffungen, bei denen Anwender ein Cloud-Szenario fordern, zwischen 8% und 21%. Vorne liegen dabei Einsatzbereiche wie „Projektmanagement“, „Service Management“ oder „CRM“ mit Werten jenseits von 15%. Zentrale Business Applikationen, wie z.B. „Enterprise Resource Planning“ (ERP), „Materialwirtschaft“ oder „Produktionsplanung und –steuerung“ (PPS) liegen dagegen bei vergleichsweise niedrigen 8% bis 12%. Jenseits aller Emotionen bestehen relevante Barrieren für die Nutzung von „Public Cloud“-Szenarien im Bereich der ERP Software oder Business Software allgemein in der Regel dann, wenn eine Cloud-Applikation umfassend und/oder mit vielen anderen Software-Anwendungen integriert werden muss. Darüber hinaus ist eine umfassende Individualisierung von „Public Cloud“-Lösungen kaum möglich, da die gewünschte Skalierbarkeit ein sehr hohes Maß an Standardisierung der Applikationen mit sich bringt. Und schließlich erreichen die meisten SaaS-Angebote im Bereich von ERP Lösungen – zumindest bislang – bei weitem nicht die funktionale Tiefe, die heute bei etablierten „On Premise“-Anwendungen marktüblich ist. Im Fall eines „reifen“ Anwendungsmarktes, in dem viele Unternehmen z.T. seit Jahrzehnten recht umfassende Software-Portfolien mit starkem branchen- und unternehmensspezifischem Zuschnitt betreiben, ist daher fraglich ob sich der Ansatz der Public Cloud im Bereich der ERP Software flächendeckend durchsetzen wird. Da das Konzept des Cloud Computing einerseits unzweifelhaft interessante Potenziale aufweist, andererseits aber auch relevanten Einschränkungen unterliegt, sollten Anwender im Einzelfall prüfen, ob der Weg in die Cloud bei ERP Software überhaupt eine Option ist. Interessant wird diese Option in jedem Fall, wenn ein Unternehmen mit Standard-Prozessen gut leben kann und keine Notwendigkeit besteht, die Cloud-Lösung an andere Software-Anwendungen anzubinden. Ist zudem mit stark schwankenden Userzahlen zu rechnen und erfolgt der Zugriff auf den Cloud-Service von vielen Standorten oder gar mobil, dann ist „Software-as-a-Service“ umso interessanter.