Von Dr. Oliver Vering, Prof. Becker GmbH und Peter Treutlein, Trovarit AG

Das Thema Multi-Channel – teilweise bereits auch als „Omni-Channel“ bezeichnet, um deutlich zu machen, dass nicht nur mehrere, sondern alle Absatzkanäle von Handelsunternehmen ganzheitlich betrachtet und vom Kunden auch parallel genutzt werden – ist nicht nur unternehmenstrategisch und organisatorisch eine der größten Heraus­forderungen von Handels­unter­nehmen, sondern auch IT-technisch.


Firmen in der Automobilbranche bewerten ihre ERP-Lösungen tendenziell kritischer als die Anwenderfirmen insgesamt. Das zeigt eine exklusive Branchenauswertung für die „Produktion“ durch die Trovarit AG im Rahmen der Studie „ERP in der Praxis 2014“. Offenkundig verlangt die Schlüsselindustrie Automotive ihren Systemen mehr ab als der Durchschnitt.


Software-Lösungen für Enterprise Resource Planning (ERP) müssen Branchenspezifika abbilden können.

Im Rahmen einer ERP-Auswahl ist eine der wesentlichen Aufgaben des Projektteams die Sondierung des Marktangebots hinsichtlich relevanter Kriterien zur Absicherung des Investitionsvorhabens.

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Die optimale Passung der im Standard verfügbaren Funktionalität auf die unternehmensspezifischen Anforderungen stehen im Zentrum eines ERP-Projektes. Sie wird maßgeblich von den Gegebenheiten einer Branche geprägt, die wichtige Auswahlkriterien sowohl für das System als auch den Anbieter bzw. das Systemhaus darstellen.

Zwei Beispiele sollen diesen Zusammenhang verdeutlichen.

Beispiel 1: ERP Anforderungen im Anlagenbau

Das erste Beispiel beschreibt den Fall eines klassischen Anlagenbauers. Sein Sortiment umfasst verschiedene Anlagentypen, die jeweils detailgenau den Kundenwünschen entsprechen müssen. Bei jeder abgenommenen Anlage handelt es sich um ein projektgefertigtes Produkt. Eine konsistente, benutzerfreundliche und übersichtliche Projektplanung sowie ein durchgängiges Projektcontrolling gehören daher zu den zentralen Anforderungen eines Anlagenbauers an ein ERP-System. Beispiele für erfolgskritische ERP Funktionen für diese Branche sind

  • die Möglichkeit, einzelne Strukturelemente aus vergleichbaren Projekten in die aktuelle Projektplanung zu kopieren,
  • Meilensteine frei zu definieren,
  • mehrere Projekte gleichzeitig verwalten zu können,
  • bezüglich der Ressourcen die Anpassung der Gesamtauftragssituation bei Veränderungen zu simulieren,
  • den Zahlungsplan mit Verknüpfungen zwischen Zahlungsmeilensteinen und Projektmeilensteinen zu führen oder
  • verschiedene Projektstände als Soll zu fixieren und mit Fortschritt des Projektes mit den Ist-Zahlen zu vergleichen.

Beispiel 2: Anforderungen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie

Schnelllebige Modetrends und eine stetig wachsende Nachfrage der Kunden nach immer individuelleren Produkten prägen die wirtschaftliche Situation. Konfrontiert mit zunehmender Globalisierung und verschärftem Preiswettbewerb sehen sich die westeuropäischen Unternehmen gezwungen, große Teile ihrer Wertschöpfung in (wechselnde) Niedriglohnländer zu verlagern. Beide Effekte führen zu hoher Komplexität der Produktions- und Logistikketten. Eine zuverlässige Absatz- und Bedarfsplanung bildet einen entscheidenden Erfolgsfaktor und somit einen Schwerpunkt bei der Anforderungsdefinition an ein ERP-System. Insbesondere im Bereich der NOS-Artikel (Never out of stock) stellt die Absatzplanung die wesentliche Eingangsgröße in die Bedarfsplanung dar, welche neben der Eigenfertigungsplanung und –steuerung, die über die Netzwerkproduktionsplanung zugeteilt wird, auch die Fremdbezugsplanung und –steuerung umfasst. In dieser Konstellation sind

  • voll integrierte Bedarfsplanungsmodule und
  • Multi-Site-Fähigkeit des ERP-Systems

herausragende Anforderungen an die ERP Anbieter.

Besonderheiten aus den Bereichen Food & Pharma

Anforderungen, wie eine durchgängige Chargenverwaltung auch für Flüssigstoffe, die Berechnung und Verwaltung von Mindesthaltbarkeitsdaten, die Unterstützung von Zerlegeprozessen oder die Verwaltung mehrerer Ergebnisprodukte aus einem Produktionsprozess, greifen sehr tief in die Datenstrukturen der Systeme und können oftmals nur von Branchenspezialisten abgebildet werden.

Über die funktionalen Anforderungen hinaus besteht die immer größer werdende Notwendigkeit einer Branchenspezialisierung für die strategischen Komponenten eines Systems sowie für das Systemhaus oder den Anbieter selbst. Als Beispiel können hier Anbieter für Branchen- oder Nischenlösungen für die pharmazeutische Industrie genannt werden, die Ihre Systeme gezielt nach dem GMP-Leitfaden (Good Manufacturing Practice) ausrichten. Dieser Leitfaden konkretisiert die EG-Richtlinie 2003/94/EG zur Festlegung der Grundsätze und Leitlinien der guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmter Prüfpräparate. Die Zertifizierung eines ERP Systems als GMP-konform in diesem Umfeld zeigt die strategische Ausrichtung des Systems auf die Herstellung von Pharmazeutika oder pharmazeutischen Prüfmitteln.

Spätestens Anfang 2018 muss eine echte Herausforderung für ERP-Systeme speziell im Bereich der Arzneimittelherstellung bzw. -Verpackung umgesetzt sein: Zum Schutz vor Fälschungen und um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln sicherzustellen, muss auf der Verpackung als Sicherheitsmerkmal ein 2D Barcode angebracht werden, der den Code des Arzneimittelherstellers, eine randomisierte Serialisierungsnummer, ggf. eine nationale Nummer für die Kostenerstattung, die Chargennummer und das Verfalldatum beinhalten wird. Dieses Sicherheitsmerkmal wird über die gesamte EU einheitlich sein.


Die Trovarit ist Spezialist für Projekte im Umfeld von Business Software und hat sich insbesondere einen Namen als verlässlicher, neutraler Partner bei der Evaluation, Einführung und Einsatzoptimierung von ERP Lösungen gemacht. Jetzt haben die Aachener ein eigenes ERP/CRM-Projekt aufgesetzt, um ihre Prozesse besser zu unterstützen.

Ausgangslage: Heterogene Software-Landschaft
Wie die meisten Start-ups, insbesondere in der Dienstleistungsbranche, führte auch die Trovarit AG direkt nach der Firmengründung im Jahr 2000 mit MS Excel das meistgenutzte ERP-System der Welt ein. Für das Kundenkontaktmanagement wurde nach kurzer Zeit zusätzlich Cobra Adress+ eingeführt. Seit 2009 nutzt die Trovarit für das Finanzwesen Datev – Unternehmen Online in Verbindung mit den Dienstleistungen des Steuerberaters. Das „Trovarit-Projektportal“, eine selbst entwickelte Online-Lösung dient für Projektmanagement und -Abrechnung. Insgesamt alles gute Lösungen, die die Trovarit-Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt haben.

Aber auch ein ziemlich bunter Strauß von Lösungen, der immer wieder durch eigenes Customising aufgefrischt und erweitert wurde: da wurde „angeflanscht“ oder „reingefrickelt“, „totgeschaltet“ und „hart-verdrahtet“ – dieses spezielle Entwickler-Vokabular für vorläufige Maßnahmen, die dann langfristig im Einsatz bleiben, dürfte vielen bekannt sein.

Heute, nach 15-jähriger Weiterentwicklung der Geschäftsfelder und mit mehr als 15 Standorten im In- und Ausland, sind die Anforderungen an die Software-Unterstützung der Prozesse so weit gestiegen, dass eine neue Lösung her muss.

Keine Angst vor ERP Projekten

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Das Projekt „Minerva“ wird dabei eine echte „Probe auf’s Exempel“ für die Trovarit AG, denn die Verfahren und Werkzeuge, mit denen ihre Mitarbeiter Unternehmen verschiedenster Branchen und Größenordnungen bei der Auswahl und Einführung von ERP Software unterstützen, kommen jetzt natürlich auch zum Einsatz. Auch wenn sich alle Projektbeteiligten sicher sind, dass sich die Tools und Services ohne Probleme bewähren werden, kann ein wenig überirdischer Beistand nicht schaden. Mit Minerva hat sich die Trovarit die Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes, Schutzgöttin der Dichter und Lehrer, Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus sowie Hüterin des Wissens als Patin ausgesucht.

Der komplette Selbsttest wird offen und ehrlich im eigens eingerichteten Projekt-Blog dokumentiert: www.trovarit.com/minerva


Aus der großen Vielfalt der Produkte in der Elektroindustrie ergeben sich besondere Anforderungen an ERP Software.  Eine Branchenauswertung der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2014/2015“ zeigt, worauf es beim ERP-Einsatz in der Elektroindustrie ankommt.

Wenn man die Zahl der Beschäftigten zugrunde legt, ist die Elektroindustrie die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Besonders hervorstechend ist die Vielseitigkeit der Branche im Bezug auf ihre Mitglieder: unter anderem zählen dazu Hersteller von Automatisierungstechnik, Installationsgeräten und -systemen, Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Lichttechnik, Batterien, Sicherheitssystemen, Energietechnik, Medizintechnik oder elektronischen Komponenten und Systemen. Auch die Abläufe in vielen Firmen sind geprägt von einer großen Anzahl unterschiedlicher Artikel. Wie die anderen Branchen, hat auch die Elektroindustrie mit steigendem Kostendruck und kürzeren Produktlebenszyklen zu kämpfen. Dies schlägt sich erfahrungsgemäß unter anderem darin nieder, dass sich Geschäftsprozesse – und damit auch die Anforderungen an die ERP-Unterstützung – immer schneller ändern. Vor diesem Hintergrund ist die Zufriedenheit der Branche mit ihren ERP-Anwendungen beachtlich. Bei der aktuellen Trovarit-Studie „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ bewerteten die fast 500 Teilnehmer aus der Elektroindustrie ihre Systeme insgesamt mit der Schulnote „Gut“.

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Über die Studie
Die Untersuchung „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ der Trovarit AG ist die größte herstellerunabhängige Anwenderstudie zum ERP-Einsatz in Europa. Die Feldphase der Online-Befragung fand von März bis Juli 2014 statt. Die wichtigsten Kennzahlen:

Fast 2400 Befragungen wurden ausgewertet, davon etwa 500 von Anwendern aus der Elektroindustrie.
Insgesamt wurden 53 ERP-Systeme bewertet, davon 13 in der Branche Elektroindustrie.
Etwa zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen gehören dem Mittelstand an.
Die Teilnehmer stammen überwiegend aus Deutschland (72 Prozent), Österreich (13 Prozent) und der Schweiz (12 Prozent).
Die Befragten vertreten vor allem die Unternehmensbereiche EDV (46 Prozent), Geschäftsführung (21 Prozent) sowie Finanzen und Controlling (13 Prozent).
Die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.trovarit.com/erp-praxis