Software-Lösungen für Enterprise Resource Planning (ERP) müssen Branchenspezifika abbilden können.

Im Rahmen einer ERP-Auswahl ist eine der wesentlichen Aufgaben des Projektteams die Sondierung des Marktangebots hinsichtlich relevanter Kriterien zur Absicherung des Investitionsvorhabens.

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Die optimale Passung der im Standard verfügbaren Funktionalität auf die unternehmensspezifischen Anforderungen stehen im Zentrum eines ERP-Projektes. Sie wird maßgeblich von den Gegebenheiten einer Branche geprägt, die wichtige Auswahlkriterien sowohl für das System als auch den Anbieter bzw. das Systemhaus darstellen.

Zwei Beispiele sollen diesen Zusammenhang verdeutlichen.

Beispiel 1: ERP Anforderungen im Anlagenbau

Das erste Beispiel beschreibt den Fall eines klassischen Anlagenbauers. Sein Sortiment umfasst verschiedene Anlagentypen, die jeweils detailgenau den Kundenwünschen entsprechen müssen. Bei jeder abgenommenen Anlage handelt es sich um ein projektgefertigtes Produkt. Eine konsistente, benutzerfreundliche und übersichtliche Projektplanung sowie ein durchgängiges Projektcontrolling gehören daher zu den zentralen Anforderungen eines Anlagenbauers an ein ERP-System. Beispiele für erfolgskritische ERP Funktionen für diese Branche sind

  • die Möglichkeit, einzelne Strukturelemente aus vergleichbaren Projekten in die aktuelle Projektplanung zu kopieren,
  • Meilensteine frei zu definieren,
  • mehrere Projekte gleichzeitig verwalten zu können,
  • bezüglich der Ressourcen die Anpassung der Gesamtauftragssituation bei Veränderungen zu simulieren,
  • den Zahlungsplan mit Verknüpfungen zwischen Zahlungsmeilensteinen und Projektmeilensteinen zu führen oder
  • verschiedene Projektstände als Soll zu fixieren und mit Fortschritt des Projektes mit den Ist-Zahlen zu vergleichen.

Beispiel 2: Anforderungen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie

Schnelllebige Modetrends und eine stetig wachsende Nachfrage der Kunden nach immer individuelleren Produkten prägen die wirtschaftliche Situation. Konfrontiert mit zunehmender Globalisierung und verschärftem Preiswettbewerb sehen sich die westeuropäischen Unternehmen gezwungen, große Teile ihrer Wertschöpfung in (wechselnde) Niedriglohnländer zu verlagern. Beide Effekte führen zu hoher Komplexität der Produktions- und Logistikketten. Eine zuverlässige Absatz- und Bedarfsplanung bildet einen entscheidenden Erfolgsfaktor und somit einen Schwerpunkt bei der Anforderungsdefinition an ein ERP-System. Insbesondere im Bereich der NOS-Artikel (Never out of stock) stellt die Absatzplanung die wesentliche Eingangsgröße in die Bedarfsplanung dar, welche neben der Eigenfertigungsplanung und –steuerung, die über die Netzwerkproduktionsplanung zugeteilt wird, auch die Fremdbezugsplanung und –steuerung umfasst. In dieser Konstellation sind

  • voll integrierte Bedarfsplanungsmodule und
  • Multi-Site-Fähigkeit des ERP-Systems

herausragende Anforderungen an die ERP Anbieter.

Besonderheiten aus den Bereichen Food & Pharma

Anforderungen, wie eine durchgängige Chargenverwaltung auch für Flüssigstoffe, die Berechnung und Verwaltung von Mindesthaltbarkeitsdaten, die Unterstützung von Zerlegeprozessen oder die Verwaltung mehrerer Ergebnisprodukte aus einem Produktionsprozess, greifen sehr tief in die Datenstrukturen der Systeme und können oftmals nur von Branchenspezialisten abgebildet werden.

Über die funktionalen Anforderungen hinaus besteht die immer größer werdende Notwendigkeit einer Branchenspezialisierung für die strategischen Komponenten eines Systems sowie für das Systemhaus oder den Anbieter selbst. Als Beispiel können hier Anbieter für Branchen- oder Nischenlösungen für die pharmazeutische Industrie genannt werden, die Ihre Systeme gezielt nach dem GMP-Leitfaden (Good Manufacturing Practice) ausrichten. Dieser Leitfaden konkretisiert die EG-Richtlinie 2003/94/EG zur Festlegung der Grundsätze und Leitlinien der guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmter Prüfpräparate. Die Zertifizierung eines ERP Systems als GMP-konform in diesem Umfeld zeigt die strategische Ausrichtung des Systems auf die Herstellung von Pharmazeutika oder pharmazeutischen Prüfmitteln.

Spätestens Anfang 2018 muss eine echte Herausforderung für ERP-Systeme speziell im Bereich der Arzneimittelherstellung bzw. -Verpackung umgesetzt sein: Zum Schutz vor Fälschungen und um eine lückenlose Rückverfolgbarkeit von Arzneimitteln sicherzustellen, muss auf der Verpackung als Sicherheitsmerkmal ein 2D Barcode angebracht werden, der den Code des Arzneimittelherstellers, eine randomisierte Serialisierungsnummer, ggf. eine nationale Nummer für die Kostenerstattung, die Chargennummer und das Verfalldatum beinhalten wird. Dieses Sicherheitsmerkmal wird über die gesamte EU einheitlich sein.


Aus der großen Vielfalt der Produkte in der Elektroindustrie ergeben sich besondere Anforderungen an ERP Software.  Eine Branchenauswertung der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2014/2015“ zeigt, worauf es beim ERP-Einsatz in der Elektroindustrie ankommt.

Wenn man die Zahl der Beschäftigten zugrunde legt, ist die Elektroindustrie die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Besonders hervorstechend ist die Vielseitigkeit der Branche im Bezug auf ihre Mitglieder: unter anderem zählen dazu Hersteller von Automatisierungstechnik, Installationsgeräten und -systemen, Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Lichttechnik, Batterien, Sicherheitssystemen, Energietechnik, Medizintechnik oder elektronischen Komponenten und Systemen. Auch die Abläufe in vielen Firmen sind geprägt von einer großen Anzahl unterschiedlicher Artikel. Wie die anderen Branchen, hat auch die Elektroindustrie mit steigendem Kostendruck und kürzeren Produktlebenszyklen zu kämpfen. Dies schlägt sich erfahrungsgemäß unter anderem darin nieder, dass sich Geschäftsprozesse – und damit auch die Anforderungen an die ERP-Unterstützung – immer schneller ändern. Vor diesem Hintergrund ist die Zufriedenheit der Branche mit ihren ERP-Anwendungen beachtlich. Bei der aktuellen Trovarit-Studie „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ bewerteten die fast 500 Teilnehmer aus der Elektroindustrie ihre Systeme insgesamt mit der Schulnote „Gut“.

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Über die Studie
Die Untersuchung „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ der Trovarit AG ist die größte herstellerunabhängige Anwenderstudie zum ERP-Einsatz in Europa. Die Feldphase der Online-Befragung fand von März bis Juli 2014 statt. Die wichtigsten Kennzahlen:

Fast 2400 Befragungen wurden ausgewertet, davon etwa 500 von Anwendern aus der Elektroindustrie.
Insgesamt wurden 53 ERP-Systeme bewertet, davon 13 in der Branche Elektroindustrie.
Etwa zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen gehören dem Mittelstand an.
Die Teilnehmer stammen überwiegend aus Deutschland (72 Prozent), Österreich (13 Prozent) und der Schweiz (12 Prozent).
Die Befragten vertreten vor allem die Unternehmensbereiche EDV (46 Prozent), Geschäftsführung (21 Prozent) sowie Finanzen und Controlling (13 Prozent).
Die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.trovarit.com/erp-praxis


Angesichts der großen Bedeutung von ERP-Software für den Unternehmenserfolg untersucht die Trovarit-Studie „ERP in der Praxis“ seit nunmehr 10 Jahren regelmäßig aus Sicht der ERP-Anwender, wie die ERP-Realität in Unternehmen aussieht. Bei der Jubiläumsausgabe konnte die größte unabhängige Anwenderstudie zum ERP-Einsatz in Europa mit insgesamt 2.393 gültigen Fragebögen erneut einen Teilnehmerrekord verzeichnen. Die Bewertung von über 50 ERP-Lösungen zeigt im Vergleich zu 2012 insgesamt leichte Verbesserungen der Anwenderzufriedenheit, Die Gesamtbewertung der ERP-Lösungen liegt sehr stabil bei einer uneingeschränkten Schulnote „Gut“. Bei etwas größeren Schwankungen auf gleichem Niveau liegt die Gesamtbeurteilung für die Dienstleistungsqualität.

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Spezialisierung, aktuelle Release-Stände und Kundenpflege werden honoriert

Wie in den Vorjahren schneiden „schlanke“ ERP-Lösungen, ausgesprochene Branchenlösungen und/oder Lösungen kleinerer Anbieter am besten ab, deren Kunden vor allem den kleineren und mittleren Unternehmen zuzurechnen sind (vgl. Abb. 1). Die besten Lösungen für größere Anwender finden sich dagegen im hinteren Mittelfeld.

Allerdings zeigt das Portfolio auch, dass Branchenspezialisten und kleinere ERP-Anbieter bzw. ‑Lösungen nicht zwangsläufig Spitzenwerte im Hinblick auf die Anwenderzufriedenheit erzielen. Vielmehr gibt es hier signifikante Unterschiede, deren Ursachen in der jeweiligen Software-Lösung und dem Auftreten des Anbieters am Markt zu suchen sind.

Die Studie zeigt insgesamt, dass sich die Größe und Komplexität einer ERP-Installation deutlich dämpfend auf die Anwenderzufriedenheit auswirkt. Wichtige Indikatoren sind hier die Anzahl der ERP-Anwender, der implementierte Funktionsumfang, die Zahl der an die ERP-Lösungen angebundenen Standorte und der Grad der Internationalisierung der Installation. Gründe hierfür sind ein hohes Anforderungsniveau in Verbindung mit spürbar größerem Aufwand bei auf Einführung, Wartung und (End‑)Anwenderbetreuung.

Ebenfalls nachteilig auf die Anwenderzufriedenheit wirken sich veraltete Release-Stände aus. Dieser Aspekt schlägt sich bei größeren ERP-Installationen besonders belastend nieder, da Anwender hier – offenbar aufgrund des mit dem Release-Wechsel verbundenen Aufwands – in größeren Abständen modernisieren als bei kleineren Installationen. So bewegt sich das durchschnittliche Alter der Release-Stände bei den Lösungen mit großen Kunden in der Regel bei drei und mehr Jahren während es bei Lösungen für kleinere Unternehmen bei unter einem Jahr liegt.

Zufriedenheit im Detail

Betrachtet man die Bewertungen der anderen Zufriedenheitsaspekte im Detail, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild. Die Aspekte, auf die im Rahmen der Projektierung besonders geachtet werden muss, sind vor allem:

  • systembezogene Aspekte wie „Mobile Einsetzbarkeit“, „Formulare und Auswertungen“, „Internationalität“, „Aufwand zur Datenpflege“, „Usability/Anwenderfreundlichkeit“, „Performance“ und die „Integrationsfähigkeit über Schnittstellen“,
  • klassische Projektkenngrößen wie „Einhaltung des Budgets“, „Einhaltung des Terminplans“ und „erforderlicher Personalaufwand“ sowie
  • Support-Services wie das „Schulungs- & Informationsangebot“ oder auch die „Beratung zur Optimierung des ERP-Einsatzes“.

Dabei gibt es mit der „Mobilen Einsetzbarkeit der ERP-Software“ mit deutlichem Abstand ein neues „Schlusslicht“ unter den Zufriedenheitsaspekten. Offenbar ist es mit der uneingeschränkten Nutzung der ERP-Lösung, also „zu jeder Zeit und an jedem Ort“, bei weitem nicht so weit gediehen, wie die Anwender das heute erwarten bzw. von anderen Software-Anwendungen – nicht zuletzt auch aus dem privaten Bereich – gewohnt sind.

Aus der Gesamtschau stellt sich auch die erstmals untersuchte „Internationale Einsetzbarkeit der ERP-Software“ als Schwachpunkt dar. Angesichts eines schwachen „gut“ bestehen offenbar erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Möglichkeiten, mit einer Lösung z.B. die verschiedenen rechtlichen und sprachlichen Anforderungen zu adressieren, die ein internationaler Einsatz einer zentralen ERP-Lösung mit sich bringt.

Spürbare Verbesserungen der Zufriedenheit im Vergleich zum Jahr 2012 zeigen sich bei einer Reihe von Schwachstellen wie z.B. „Release-Fähigkeit“ und „Formulare & Auswertungen“ sowie beim „Engagement der Consultants im Projekt“ und dem „Support bei Release-Wechseln“. Spürbar negativ hat sich dagegen die Zufriedenheit mit der „Anwenderschulung im Rahmen der ERP-Einführung“ sowie mit dem „Schulungs- und Informationsangebot“ entwickelt.

Die differenzierte Betrachtung der Zufriedenheitsaspekte fördert schließlich zutage, dass die allgemeine Zufriedenheit mit dem ERP-System bzw. -Anbieter zwar hoch ist, es im Detail jedoch auch wichtige Kritikpunkte gibt. Sehr deutlich wird dies z.B. bei der Zufriedenheit mit dem System. Der „Gesamteindruck“ ist wesentlich besser als die Bewertung nahezu aller Einzelaspekte. Für ERP-Anbieter lässt sich daraus nicht zuletzt ableiten, dass sie auf der Suche nach Verbesserungspotenzialen ins Detail gehen müssen!

Ähnlich gelagert ist der Sachverhalt bei der Bewertung des Einführungsprojektes: Hier zeigt sich eine typische Charakteristik von Infrastrukturprojekten, bei der die Verant­wortlichen – z.T. auch aus Gründen des Selbstschutzes – im Nachgang dazu neigen, die Sachlage etwas besser zu bewerten, als sie objektiv gesehen tatsächlich ist.

Themen & Trends im ERP-Umfeld

Die Studie zeigt, dass sich Umgang und Erwartungshaltung der Anwender im Hinblick auf ERP mit der Zeit deutlich verändern. An der Spitze der Treiber und Trends rangieren 2014 Themen wie „Verbesserung der Usability“, „Mobiler ERP-Einsatz“ sowie einer „Rollen- & Kontextbasierte Benutzerführung“. Diese sind sehr unmittelbar mit der Nutzung der ERP-Software als Werkzeug für den Arbeitsalltag verbunden. Hier schlägt sich sicherlich nieder, dass es mit der Bedienerfreundlichkeit der ERP-Software in der Vergangenheit nicht so weit her war. Zahlreiche Entwicklungsinitiativen auf der Anbieterseite lassen hier für die kommenden Jahre deutliche Fortschritte erwarten.

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Der mobile Einsatz von ERP-Software ist bereits weit verbreitet – jedenfalls, wenn man darunter die Nutzung über das Internet per Laptop versteht. Der Einsatz über das Smartphone oder den Tablet-PC setzt aufgrund des beschränkten Platzangebotes und ggf. Bedienung über den Touch-Screen eine völlig neue Oberflächengestaltung voraus, an der eine Reihe von ERP-Anbietern derzeit noch fieberhaft arbeiten. Ebenfalls problematisch ist es derzeit noch um die „Offline-Fähigkeit“ der ERP-Anwendungen bestellt, die angesichts der Lücken in den Mobilfunknetzen durchaus ene Notwendigkeit darstellt.

Auf den Plätzen des Themen-Ranking folgen „Internationalisierung“ (ca. 20%), „Enterprise Application Integration bzw. Schnittstellenmanagement“ (ca. 19%) und ein umfassendes „Enterprise Information Management“ (ca. 15%). Daraus lässt sich durchaus ein spürbarer Trend zu mehr Durchgängigkeit in der Informationsversorgung ableiten – sei es über Unternehmensebenen, Aufgabenbereiche oder auch Standorte und Regionen hinweg. Ziel ist es offenbar, die Ressource „Information“ zukünftig deutlich umfassender und auch gezielter zu bewirtschaften.

Einige der Themen, die in den einschlägigen Fachmedien und –kreisen sehr hoch gehandelt werden, offenbaren dagegen noch deutlichen (Er-)Klärungsbedarf: So messen nur 5,7% der Befragten dem „Cloud Computing“ eine große Relevanz zu, wenn es um ERP geht. Bei „Social Media“ sind es sogar nur 5,2% und „Industrie 4.0“ landet mit mageren 4,1% am Ende der Liste der Treiber für Veränderungen des ERP-Einsatzes. Hier besteht noch hoher Erklärungsbedarf, da fast 40% der Befragten mit dem Begriff „Industrie 4.0“ (noch) nichts anfangen können. Letzteres gilt in ähnlichem Maße für Themen wie „Big Data“ oder „Bring Your Own Device/BYOD“.

Anforderungen an ERP-Systeme

Dementsprechend tauchen bei den genannten Anforderungen an ERP-Systeme diese Begriffe selten auf, wenn sie sich auch zum Teil hinter Aspekten wie z.B. „Moderne Technologie“ verstecken mögen.

Die wichtigste Anforderung bei der Auswahl einer ERP-Lösung war bei allen bisherigen Untersuchungen und bleibt auch weiterhin die „Funktionale Eignung“, die in ca. 70% der Projekte als ausschlaggebend genannt wurde. Erst mit einigem Abstand folgen „Praktikabilität/Mittelstandseignung“ (ca. 41%) und „Flexibilität der Software“ (ca. 40%).

Der Aspekt „Flexibilität“ hat in den vergangenen Jahren allerdings deutlich an Bedeutung gewonnen (Vergleich Projekte aus 2003 vs. 2013: bei +11,4% der Projekte ausschlaggebend). Ähnliches gilt für „Man kennt sich schon/Beibehaltung des Lieferanten“ (+9,7%), „Geringe Anschaffungskosten“ (+5,8%), „Usability/Anwenderfreundlichkeit“ (+4,7%), „Mobile Nutzbarkeit“ (+4,1%) und „Internationale Ausrichtung der Software“ (+3,5%).

Die „Release-Fähigkeit“ der Software und die „Betriebskosten“ sind dagegen weniger ausschlaggebend, wenn es um die Anschaffung einer neuen ERP-Lösung ging. Dies scheint sich in der Folge zu rächen, da z.B. der „Aufwand bzw. Support bei Release-Wechseln“ überdurchschnittlich stark kritisiert werden. Offenbar sind derartige Leistungskriterien den Anwendern aber in der Auswahlphase entweder nicht gegenwärtig oder aber einfach schlecht zu greifen, so dass sie kaum berücksichtigt werden (können).

In Abhängigkeit der Unternehmensgröße unterscheiden sich die Anforderungsschwerpunkte zum Teil recht deutlich. Größere Unternehmen legen überdurchschnittlich viel Wert auf „Funktionaliät“, „Moderne Technologie“, „Technologieplattform der ERP-Lösung passt zu den Vorgaben der IT-Strategie“ und „Internationale Ausrichtung der Software“. Darüber hinaus ist größeren Unternehmen die „Wirtschaftliche Perspektive des Anbieters“ und eine „große Verbreitung der ERP-Software“ besonders wichtig. Kurz: Größere Unternehmen legen sehr großen Wert auf alle Aspekte, die „Investitionssicherheit“ und einen effizienten IT-Betrieb belegen. Kleinere Unternehmen legen überdurchschnittlich viel Wert auf die „Mittelstandseignung“ und die „Bedienerfreundlichkeit“ der Software. Darüber hinaus spielen die regionale Nähe sowie das Auftreten des Anbieters eine überdurchschnittliche Rolle. Kurz: Bei kleineren Unternehmen stehen der unmittelbare Nutzen und die Praktikabilität der ERP-Software deutlich stärker im Vordergrund.

Download Management Summary

Das Management Summary mit den wichtigsten Ergebnissen der Studie steht unter folgendem Link zum kostenlosen Download zur Verfügung: www.trovarit.com/erp-praxis


Deltek, einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware und Informationslösungen für professionelle Dienstleistungsunternehmen, meldet in einer Pressemitteilung vom 29. Juli 2014, dass er TECOSIM als Kunden für seine branchenspezifische ERP-Lösung Deltek Maconomy (ERP = Enterprise Resource Planning) sowie die Ressourcenplanungssoftware Deltek People Planner gewinnen konnte.

Als einer der weltweit führenden Anbieter für Computer Aided Engineering (CAE), beschäftigt TECOSIM weltweit rund 400 Berechnungsingenieure und erarbeitet Lösungen in den Bereichen Mobilität, Energie, Industrie & Technik sowie Gesundheit. Um dem weiteren geplanten Wachstum gerecht zu werden benötigt das Unternehmen eine integrierte Lösung. Die ERP-Lösung Deltek Maconomy wird sowohl in den inländischen Niederlassungen in Deutschland als auch in den ausländischen Tochtergesellschaften einsetzen, um die Prozesse für das Finanzmanagement, das Projektmanagement und die Ressourcenplanung zu verbessern und die Projektrentabilität zu optimieren.  Die bisherigen Systeme werden durch die neue ERP-Software ersetzt.

Die Auswahl der passenden ERP-Software wurde durch die Trovarit AG, Aachen, begleitet, die sich auf Business Software-Projekte spezialisiert hat und mit dem IT-Matchmaker® (www.it-matchmaker.com) ein leistungsfähiges Werkzeug für die Auswahl und Ausschreibung von Software-Projekten anbietet.

Mit Deltek Maconomy kann TECOSIM nun komplexe Projekte mit einer integrierten Lösung durchführen und verwalten. Ein entscheidender Vorteil von Deltek Maconomy und People Planner sind die Mehrwährungsfähigkeit und die unternehmensübergreifende Abrechnungsfunktion. Diese ermöglichen auch internationale Projekte effizient abzuwickeln. So erhält TECOSIM eine integrierte Komplettlösung für das Projekt- & Finanzmanagement, inkl. tagesaktueller Projektinformationen.

„Nach Abschluss eines umfassenden Prüf- und Auswahlprozesses haben wir uns für Deltek als Anbieter entschieden. Das Unternehmen kennt unsere Branche genau. Überzeugt haben uns darüber hinaus die internationale Ausrichtung, das erfahrene Team und die vielen positiven Kundenreferenzen. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit,“ so Jürgen Veith, Vorstand von TECOSIM.

„Wir sind stolz, mit TECOSIM ein weiteres Engineering-Unternehmen als Kunden gewonnen zu haben. Unser Ziel ist es, in Deutschland mehr Unternehmen mit Projektgeschäft mit unseren Lösungen auszurüsten. Dabei hilft uns neben unserer Präsenz auf diesem Markt auch unsere breite Palette an maßgeschneiderten Angeboten. Unsere Produkte sind auf Unternehmen wie TECOSIM ausgerichtet,“ so Claus Thorsgaard, Geschäftsführer Deltek Deutschland GmbH und EVP & General Manager, Deltek Professional Services.


Die zunehmende Vernetzung und Geschwindigkeit von Geschäftsabläufen macht nicht an Ländergrenzen halt. Internationalisierung ist daher ein Kernbestandteil erfolgreicher Unternehmensstrategien im globalen Markt. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Die zunehmende Digitalisierung von Unternehmensabläufen beschert deutschen Firmen zusätzliches Wachstumspotenzial auf dem Weltmarkt, wie eine aktuelle Studie des Bitkom belegt. Fast 50 Milliarden Euro Exportumsatz wurde demnach allein im Jahr 2012 durch die Digitalisierung generiert.

Initiativen wie ERP 2020 und Industrie 4.0 zeigen, dass die IT-Anbieter die Zeichen der Zeit erkannt haben und Anwenderunternehmen bei ihrem Transformationsprozess in Richtung Echtzeit-Business unterstützen. Doch der Blick in die Praxis des deutschen Mittelstands zeigt: Zunächst geht es vor allem darum, Standardprozesse wie Angebotserstellung, Auftragsabwicklung und Abrechnung auf internationaler Ebene rechtlich einwandfrei und so effizient wie möglich abzubilden. Damit das gelingt, muss die eingesetzte Unternehmens-Software eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen – auch dann, wenn das jeweilige Anwenderunternehmen selbst keine Standorte im Ausland betreibt.

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No English, please

Mehrsprachigkeit ist eine zentrale Anforderung an ERP-Systeme für den internationalen Geschäftsverkehr. Wer Waren ins Ausland liefert, sollte beispielsweise in der Lage sein, Lieferscheine in der jeweiligen Landessprache auszudrucken, unabhängig von der Frage, wo sich die Firmenstandorte befinden. Für die ERP-Software bedeutet das: Sie muss Unicode-fähig sein, um auch Sprachen mit Sonderzeichen wie Arabisch oder Russisch verarbeiten zu können. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn eine Firma Standorte im Ausland unterhält: In diesem Fall müssen auch die Benutzeroberfläche und das Hilfesystem in der Landessprache verfügbar sein. Englisch als „Weltsprache“ ist in vielen Ländern kein adäquater Ersatz, weil nicht alle Benutzer eines ERP-Systems über den dazu nötigen Bildungsstandard oder die kulturelle Bereitschaft verfügen.

 Alles rechtens?

Andere Länder, andere Gesetze – und andere Währungen. Diese Tatsache macht Unternehmen weltweit zu schaffen. Selbst innerhalb der EU sind bei einem Standardprozess wie der Rechnungserstellung unterschiedliche Gegebenheiten wie etwa verschiedene Mehrwertsteuersätze zu berücksichtigen. Hinzu kommt: Nicht nur in Deutschland und Europa ändern sich die Gesetze. Besonders häufig geschieht dies in Staaten wie Russland oder China. Und in Brasilien beispielsweise empfehlen selbst die Vertreter eines weltweit marktführenden ERP-Herstellers, für die Buchhaltung lokale Speziallösungen zu wählen, da es ihnen nicht wirtschaftlich möglich sei, angesichts der häufigen Änderungen der Finanz- und Steuergesetzgebung vor Ort die Aktualität der Systeme in diesem Bereich zu gewährleisten. Auch Zollbestimmungen und Umweltverordnungen ändern sich vielerorts häufig.

Multi-Site-Management für Intercompany-Prozesse

Firmen, die mit „verlängerter Werkbank“ im Ausland arbeiten, kennen die Aufgabe: Der Kunde in Land A bestellt ein Produkt, das in Land B gefertigt wird. Lieferschein und Rechnung werden von der Unternehmenszentrale in Deutschland erstellt. Damit dieser Prozess möglichst schnell und reibungslos abläuft, ist ein hohes Maß an Automatisierung erforderlich. Moderne ERP-Lösungen bringen die dazu nötige Funktionalität in der Regel mit, doch unterscheiden sich die Systeme im Detail teilweise recht deutlich. Entscheider sollten sich derartige Abläufe deshalb im Hinblick auf die Eignung für das eigene Business demonstrieren lassen – unter realen Bedingungen. Genauso wichtig ist ein zentrales Daten-Management, das mit Transparenz in der Buchhaltung und möglichst effizientem Controlling schnelle und fundierte unternehmerische Entscheidungen unterstützt.

ERP als Wachstumsförderungsprogramm

Wachstum ist ein zentrales Ziel bei jeder Internationalisierung. Dabei geht es nicht nur um mehr Benutzer und neue Standorte. Auch eine geänderte Geschäftsform, neue Unternehmensbereiche, wie etwa eine zugekaufte Fertigung, sowie neue Vertriebskanäle müssen Unternehmen möglichst schnell und reibungslos integrieren, wenn sie ihre Markposition ausbauen wollen. ERP-Lösungen müssen deshalb in möglichst vielen Dimensionen anpassbar sein – das zeigen auch die regelmäßigen Anwenderbefragungen der Trovarit AG. Skalierbarkeit und Flexibilität sind Kernanforderungen, wenn die ERP-Software das internationale Wachstum fördern und nicht behindern soll.

Die Zusammenarbeit ist erfolgsentscheidend

Aus repräsentativen Befragungen von ERP-Anwendern und aus unserer Beratungstätigkeit wissen wir: Die Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Implementierungspartner und Anwenderunternehmen ist entscheidend für den Erfolg von ERP-Einführungen. Für internationale ERP-Projekt bedeutet das: Entscheider sollten von Anfang an gezielt nach der Vor-Ort-Unterstützung im Ausland fragen, sowohl während der Implementierungsphase als auch danach:

  • Unterhält der Anbieter selbst Standorte in den Staaten, in denen die Lösung eingesetzt werden soll?
  • Welche konkreten Services erbringt der Hersteller selbst vor Ort?
  • Sind personelle Ressourcen für technische Problemlösungen vorhanden?
  • Verfügt der Anbieter über Partner mit muttersprachlichen Fachleuten in den jeweiligen Ländern?
  • Wie ist die Zusammenarbeit der Niederlassungen und/oder Partner in verschiedenen Ländern geregelt?
  • Welche Qualifikationen haben die handelnden Personen in den beteiligten Ländern aufzuweisen? Zertifikate? Referenzen?
  • Wer ist der zentrale Ansprechpartner für den Kunden?
  • Gibt es ein einheitliches, transparentes Verfahren für die Software-Einführung mit standardisiertem Berichtswesen über den Projektverlauf?
  • Wie läuft der Roll-Out ab? Ist die muttersprachliche Schulung der künftigen Benutzer gewährleistet?
  • Wie ist der Support nach der Einführung organisiert?

Kein System kann alles

Nach unseren Erkenntnissen gibt es derzeit keinen ERP-Hersteller, dessen Produkte weltweit in vollem Funktionsumfang in der gleichen Qualität verfügbar sind. In den meisten Fällen wird dies auch nicht benötigt. Umso wichtiger ist es, im Projektverlauf möglichst früh zu definieren und zu dokumentieren, welche Anforderungen wo erfüllt sein müssen, um die geeignete Lösung – oder eine Kombination verschiedener Lösungen – zu finden. Dabei sollten unbedingt auch die geplante Entwicklung des Unternehmens und die daraus resultierenden künftigen Anforderungen mit einbezogen werden. In der Regel ist es am Schluss eine Frage der Bewertung einzelner Anforderungen, für welches System sich der Anwender entscheidet. Zwei Punkte allerdings sollten immer gegeben sein, bevor es an die Realisierung geht: Muttersprachliche Unterstützung vor Ort und die Möglichkeit zum Austausch mit Kunden, die vergleichbare Anforderungen haben.

ERP im Ausland ist mehr als Software

Zwar sind moderne ERP-Systeme prinzipiell immer für den internationalen Einsatz konzipiert, doch die Tücken der Praxis stecken im Detail. Dabei geht es nicht nur um technische und funktionale Aspekte der Software. Vielmehr kommt gerade beim internationalen Einsatz den Faktoren Service und Beratung erhebliche Bedeutung zu. Denn eine umfassende Funktionalität nützt dem Anwender nichts, wenn er niemanden hat, der ihn bei der Einführung der Lösung an seinen Auslandsstandorten unterstützt. Entscheider, die sich mit der Einführung von ERP-Systemen für den internationalen Einsatz befassen, sollten daher von Anfang an bedenken, dass es nicht nur um die Anforderungen an die Software geht. Ebenso wichtig ist beispielsweise die Klärung der technischen Randbedingungen: Welche Leitungen sind mit welchen Bandbreiten an den unterschiedlichen Standorten verfügbar? In Schwellenländern ist häufig auch die Stromversorgung ein Thema. Um sicherzugehen, dass keine wichtigen Punkte übersehen werden, sollten Anwender grundsätzlich auf drei Erfolgsfaktoren für internationale ERP-Projekte achten:

  1. Gehen Sie systematisch vor – sowohl bei der Auswahl von Hersteller und System, als auch bei der Implementierung Ihrer ERP-Lösung.
  2. Sichern Sie sich die Unterstützung durch Partner mit Erfahrung in Ihren Märkten.
  3. Nehmen Sie Ihre Belegschaft an den verschiedenen Standorten mit. Wenn Sie wollen, dass Ihre Lösung in Brasilien, Indien, Russland oder China genutzt wird, müssen die dortigen Anwender nicht nur die Benutzeroberfläche, sondern auch die Logik des Systems verstehen.

Die Sage Group plc gab gestern bekannt, dass sie eine Vereinbarung mit der Exact Holding N.V.  über den Kauf der Exact Software Deutschland GmbH („Exact Lohn“) für 16,25 Millionen Euro unterschrieben hat. Wenn das Bundeskartellamt zustimmt, ist mit dem Abschluss  noch im dritten Quartal 2014 zu rechnen. Die Akquisition wird durch die deutsche Tochtergesellschaft der Sage Gruppe, die Sage Software GmbH, erfolgen.

Mit dem Erwerb der deutschen Lohnabrechnungssparte von Exact könnte Sage das strategisch wichtige Geschäftsfeld der Lohn- und Gehaltsabrechnungslösungen in Deutschland auf rund 30 Millionen Euro steigern und würde damit den zweiten Platz in der Rangliste der Lohnabrechnungsanbieter im hiesigen Markt einnehmen.

Exact Lohn bietet Lösungen zur Lohn- und Gehaltsabrechnung, die von Softwareprogrammen bis hin zu kompletten Outsourcing-Dienstleistungen reichen. 2013 betrug der Jahresumsatz 10,5 Millionen Euro. Das Unternehmen betreut hierzulande rund 3.400 kleine und mittelständische Geschäftskunden und legt dabei einen starken Fokus auf die Fertigungs-, Services- und Bauindustrie. Nach dem Abschluss der Akquisition wird das Exact Lohn-Geschäft Teil der deutschen Sage Software GmbH.

Peter Dewald, Geschäftsführer der Sage Software GmbH in Deutschland, zeigt sich hoch erfreut über die Akquisition: „Mit dem Zusammengehen zweier Großer im deutschen Lohnabrechnungsmarkt entsteht ein neues Schwergewicht in der Branche, das nunmehr 12.400 Kunden betreut. Als einer von ganz wenigen Anbietern können wir unseren Kunden jetzt ein breites Portfolio bestehend aus Lohn- und Personalwirtschaftslösungen anbieten, die sie sowohl als Lizenz, als Software-as-a-Service (Cloud) oder als Dienstleistung von uns beziehen können. Eine solche Angebotspalette ist nahezu einzigartig im deutschen Markt.“
(Pressemitteilung der Sage Software GmbH, 21.07.2014)


Die wichtigsten Ziele des ERP-Einsatzes lassen sich in einem Satz zusammenfassen: „‚Schneller Zugriff‘ auf ‚bessere Informationen‘ um die ‚Geschäftsprozesse zu optimieren‘“.

Eine zentrale Rolle kommt hierbei dem Endanwender des Werkzeugs „ERP-Software“ zu: Schließlich ist der Anwender häufig Lieferant und fast immer Abnehmer der Daten und Informationen, die in der ERP-Lösung verarbeitet werden.

Bei der Auswahl einer ERP-Lösung zählen dann auch Aspekte wie die „Praktikabilität“ und „Ergonomie“ der ERP-Software mit zu den wichtigen Kriterien – wenn auch deutlich nach der „Funktionalität“ und der „Flexibilität“ der Software.

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Diese Priorisierung ist weitgehend nachvollziehbar, denn die ERP-Software benötigt einen bestimmten Funktionsumfang, um die gesuchte Unterstützung der Geschäftsprozesse zu bieten. Da Unternehmensstrukturen selten über einen längeren Zeitraum unverändert bleiben und sich die Geschäftprozesse mit der Zeit ändern, ist auch die Forderung nach hoher Flexibilität verständlich.

Gleichzeitig birgt aber die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen – nicht zuletzt auch getrieben durch immer umfassendere und leistungsfähigere ERP-Lösungen – erhebliche Herausforderungen für den Anwender: Mit den wachsenden Möglichkeiten geht eine deutlich steigende Komplexität der Software einher. Insbesondere neuen Mitarbeitern sowie „gelegentlichen Nutzern“ fällt da die Orientierung schwer.

So wundert es wenig, dass die Anwenderfreundlichkeit in der Vergangenheit nicht gerade zu den ausgesprochenen Stärken von ERP-Lösungen zählte. Tatsächlich gibt es hier seit Jahren eher mäßige Noten von den Anwendern, womit sich die „Ergonomie“ in die „steten Herausforderungen“ einreiht.

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Diese Kritik ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Anwender heute aus dem privaten Bereich ausgesprochen anwenderfreundliche, selbsterklärende Software gewohnt sind. Das kleine Kind, das intuitiv eine Smartphone-App richtig bedient, stellt sicherlich eine Referenz dar, von der ERP-Lösungen derzeit meist noch weit entfernt sind.

Ob nun getrieben durch die regelmäßige Kritik ihrer Kunden, angeregt durch das Vorbild vieler „App“lications oder schlicht aufgrund der Tatsache, dass die Effizienz des ERP-Einsatzes durch eine gute Ergonomie verstärkt zum Verkaufsargument wird: Die ERP-Hersteller nehmen die Usability ihrer Software offenbar zunehmend ernst.

Mit dem Ziel einer neuen „User Experience“ investieren sie verstärkt in neue Ansätze wie z.B.

  • eine benutzerzentrierte, rollenbasierte Oberflächengestaltung
  • Workflows zur besseren Anwenderführung und
  • „App“lifizierung komplexer Business Software

Und diese Anstrengungen scheinen sich auszuzahlen, denn Anwender mit modernen ERP-Lösungen auf aktuellem Release-Stand bewerten die Anwenderfreundlichkeit ihrer ERP-Lösung deutlich besser als Anwender mit älteren Software-Installationen.

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unterstuetzte-mobilplattformenAuswertungen aus dem IT-Matchmaker der Trovarit zu 229 ERP-Lösungen zeigen, dass aktuell knapp zwei Drittel der untersuchten ERP-Produkte zumindest eine der am Markt vertretenen Mobil-Plattformen unterstützen. Mobile Computing etabliert sich demnach als Bestandteil von ERP-Lösungen und eine wachsende Anzahl ist für den mobilen Einsatz mit Smartphone oder Tablet aufgestellt.
Im Detail liegen die Windows Mobile-basierten Geräte mit deutlich über 50 Prozent vorne, gefolgt vom iPhone und iPad mit jeweils gut 30%. Die bei Smart-Phones und Tablets mittlerweile am weitesten verbreitete Plattform „Android“ wird dagegen nur von knapp 25 Prozent der Lösungen unterstützt. Insgesamt ist fast die Hälfte der „mobilen“ ERP-Lösungen auf eine Mobilplattform beschränkt (z.B. iOS oder Windows Mobile oder Android). Angesichts der Vielfalt an Endgeräten, die erfahrungsgemäß aus der weit verbreiteten Strategie des „Bring Your Own Device“ (BYOD) resultiert, kann man dies durchaus als relevante Einschränkungen der mobilen Nutzbarkeit betrachten. Die starke Präsenz der Windows Mobile Plattform hängt sicherlich zumindest zum Teil auch daran, dass sowohl Server- als auch Client-Technologien aus dem Hause Microsoft im ERP-Segment die mit Abstand am weitesten verbreiteten Plattformen darstellen. Immerhin unterstützen knapp 90% der ERP-Produkte einen Windows-Server und stolze 98,5% zumindest einen der Windows-Clients. Diese Asymmetrie zwischen den Technologien der Business-Software einerseits und den – oft durch persönliche Präferenzen bestimmten – Mobile Devices wirft derzeit noch Fragen bzgl. der „Mobility“ von ERP-Software auf.


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Die Branchenausrichtung der Anbieter stellt ein wesentliches Kriterium für die Auswahl eines geeigneten ERP / PPS Systems dar. Schon bei der Betrachtung der Merkmale Fertigungsart und  -prinzip lassen sich unterschiedliche branchenspezifische Ausprägungen erkennen. Beispielsweise wird beim Maschinenbau und Anlagenbau oft die Einzelfertigung nach dem Werkstattprinzip angewendet. Branchenübliche Phänomene wie „Wachsende Stücklisten“ dominieren die Logik der Auftragsabwicklung. Im Automobilbau dagegen wird häufig die Linienfertigung als variantenreiche Serienfertigung organisiert. Hier ist z.B. der Lieferabruf mit Fortschrittszahlen kennzeichnend für die Branche.
Die Funktionalitäten eines ERP / PPS Systems müssen entsprechend auf die Anforderungen einer Branche ausgerichtet sein, um die notwendige Unterstützung der Geschäftsprozesse zu bewerkstelligen. Man spricht in diesem Fall von „Vertikalisierung“ i.S.d. Spezialisierung auf Branchen. Dabei haben sich im Laufe der letzten 30 Jahre grundlegend unterschiedliche Marktpositionen entwickelt. Das Bild zeigt am Beispiel von ca. 50 ERP-Systemen, wie sich derzeit die Positionierung der ERP-Produkte im Markt darstellt (Die aktuelle Ausgabe des Marktspiegels Business Software ERP / PPS analysiert insgesamt 460 Lösungen, die auf dem deutschsprachigen Markt verfügbar sind!). Ganz grob formuliert finden sich im ERP-Markt:

  • „Funktionsspezialisten“, die sich auf ein schmales Funktions- und ein breites Branchenspektrum konzentrieren – hierbei handelt es sich oft um Anbieter im Bereich Finanzen, Personalwesen und/oder kaufmännische Auftragsabwicklung.
  • „Branchenspezialisten“, die in ihrer ERP Lösung ein mehr oder weniger umfassendes Funktionsspektrum abdecken, das sehr genau auf die Belange einer klar abgegrenzten Branche zugeschnitten ist.
  • „Generalisten“, die sowohl ein breites Funktions- als auch ein breites Branchenspektrum abdecken – hierbei handelt es sich vor allem um die großen, bekannten ERP-Marken

    Bei den Generalisten beobachtet man zwei unterschiedliche Produktstrategien bzw. -typen:

  • Das „Funktionswarenhaus“, dessen Standardfunktionsumfang sowohl in der Breite als auch in der Ausprägung branchenspezifischer Varianten tatsächlich nahezu alle denkbaren ERP-Funktionen bietet, die je nach Bedarf im konkreten Fall aktiviert bzw. deaktiviert werden. Diesem Typ ist u.a. SAP ERP zuzuordnen.
  • Die „Plain Vanilla“, deren Standardfunktionsumfang zwar breit angelegt ist, aber zunächst bewusst auf viele branchenspezifische Funktionsausprägungen verzichtet. Die branchenspezifische Ausprägung wird erst durch entsprechend fokussierte Vertriebspartner ergänzt, die mit eigenen „Add-Ons“ auf der schlanken, relativ flexiblen ERP-Basis aufsetzen. Diesem Typ ist u.a. Microsoft Dynamics NAV (ehem. Navision) zuzuordnen.

Beide Typen haben Vor- und Nachteile für den ERP Anwender: Im Fall des „Funktionswarenhauses“ sind zwar meist alle notwendigen Funktionen vorhanden, so dass die bei der Anpassungsprogrammierung üblichen Entwicklungsrisiken und  Aufwände deutlich begrenzt werden. Allerdings liegt in der bedarfsgerechten Parametrisierung und Konfiguration der Software eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die intimste Kenntnisse über das gesamte Funktionsspektrum der Software erfordert und nicht selten erheblichen Aufwand mit sich bringt. Darüber hinaus zollt der Anwender der Funktionsvielfalt dahingehend Tribut, dass zur Steuerung der komplexen Software eine extrem starke Strukturierung der Abläufe sowie Eingaben erforderlich ist, die die Anwenderfreundlichkeit der Software belasten kann. Im Fall der „Plain Vanilla“ dagegen fallen diese Probleme weniger an. Allerdings steigen hier wieder die bei der Anpassungsprogrammierung üblichen Entwicklungsrisiken und –Aufwände. Gleichzeitig hängt das jeweils umgesetzte Funktionsspektrum hier sehr viel stärker vom jeweiligen Implementierungspartner ab. Im schlechtesten Fall verführt die Flexibilität den Anwender zu so umfassenden Anpassungen, dass von der Flexibilität nicht mehr viel übrig bleibt und sowohl die Performance als auch die Release-Fähigkeit der ERP-Installation auf der Strecke bleiben.


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Der mit Abstand dominierende Auslöser von ERP Projekten ist immer noch das Alter der vorhandenen ERP Software. Allerdings hat dieser Aspekt in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Relevanz verloren (seit 2000: -20,7 % auf zuletzt nur noch 31,2%). Stattdessen wird die Einführung einer neuen ERP Software immer häufiger dadurch ausgelöst, dass die Anwender mit der ERP Software bzw. dem Anbieter (Wartungspartner) der ERP Software unzufrieden sind (Stand 2010: 17,3%, Wachstum: 8,1%). Dieser Aspekt rangiert mittlerweile insgesamt auf dem zweiten Platz und ist besonders bei kleineren Unternehmen sowie bei Dienstleistern sehr deutlich ausgeprägt. Als Auslöser für ein ERP Projekt wird immer häufiger auch genannt, dass die vorhandene ERP Infrastruktur nicht in der Lage ist, neue Anforderungen abzudecken, die sich aufgrund geänderter Geschäftsprozesse oder einer geänderten Gesamtausrichtung des Unternehmens (z.B. Übernahmen bzw. Verkauf von Unternehmensteilen) ergeben. Offenbar schlägt die oft zitierte Dynamik durch Unternehmenszu- und -verkäufe, Standortverlagerungen etc. sowie intensive Bemühungen um rationellere Arbeitsabläufe stärker als früher auf die ERP-Infrastruktur durch. Die übrigen Aspekte sind dagegen von geringerer Bedeutung oder nur für ausgewählte Marktsegmente relevant: Z.B. ist die Abkehr von der Eigenprogrammierung bei größeren Unternehmen (>500 Mitarbeiter) überdurchschnittlich oft Anlass für die Einführung einer Standard ERP Software. Angesichts des hohen Reifegrades der am Markt verfügbaren ERP Software besteht auch für Unternehmen, die in Vergangenheit auf selbst entwickelte Lösungen angewiesen waren und die sich eine derartige Entwicklung sowie die laufende Pflege des ERP-Programms auch leisten konnten, immer weniger Anlass, die „Nebentätigkeit“ der ERP-Programmierung aufrecht zu erhalten. Vor allem bei Industrieunternehmen wurde häufig als Auslöser genannt, dass das System bzw. der Anbieter nicht mehr am Markt ist. Die Migration aufgrund eines veränderten Wartungsvertrags hat dabei in den vergangen zehn Jahren deutlich zugenommen. Weitere Ergebnisse der Studie im kostenlosen Management Summary: ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven 2013