Von Dr. Oliver Vering, Prof. Becker GmbH und Peter Treutlein, Trovarit AG

Das Thema Multi-Channel – teilweise bereits auch als „Omni-Channel“ bezeichnet, um deutlich zu machen, dass nicht nur mehrere, sondern alle Absatzkanäle von Handelsunternehmen ganzheitlich betrachtet und vom Kunden auch parallel genutzt werden – ist nicht nur unternehmenstrategisch und organisatorisch eine der größten Heraus­forderungen von Handels­unter­nehmen, sondern auch IT-technisch.


Firmen in der Automobilbranche bewerten ihre ERP-Lösungen tendenziell kritischer als die Anwenderfirmen insgesamt. Das zeigt eine exklusive Branchenauswertung für die „Produktion“ durch die Trovarit AG im Rahmen der Studie „ERP in der Praxis 2014“. Offenkundig verlangt die Schlüsselindustrie Automotive ihren Systemen mehr ab als der Durchschnitt.


Aus der großen Vielfalt der Produkte in der Elektroindustrie ergeben sich besondere Anforderungen an ERP Software.  Eine Branchenauswertung der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis 2014/2015“ zeigt, worauf es beim ERP-Einsatz in der Elektroindustrie ankommt.

Wenn man die Zahl der Beschäftigten zugrunde legt, ist die Elektroindustrie die zweitgrößte Industriebranche Deutschlands. Besonders hervorstechend ist die Vielseitigkeit der Branche im Bezug auf ihre Mitglieder: unter anderem zählen dazu Hersteller von Automatisierungstechnik, Installationsgeräten und -systemen, Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Lichttechnik, Batterien, Sicherheitssystemen, Energietechnik, Medizintechnik oder elektronischen Komponenten und Systemen. Auch die Abläufe in vielen Firmen sind geprägt von einer großen Anzahl unterschiedlicher Artikel. Wie die anderen Branchen, hat auch die Elektroindustrie mit steigendem Kostendruck und kürzeren Produktlebenszyklen zu kämpfen. Dies schlägt sich erfahrungsgemäß unter anderem darin nieder, dass sich Geschäftsprozesse – und damit auch die Anforderungen an die ERP-Unterstützung – immer schneller ändern. Vor diesem Hintergrund ist die Zufriedenheit der Branche mit ihren ERP-Anwendungen beachtlich. Bei der aktuellen Trovarit-Studie „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ bewerteten die fast 500 Teilnehmer aus der Elektroindustrie ihre Systeme insgesamt mit der Schulnote „Gut“.

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Über die Studie
Die Untersuchung „ERP in der Praxis: Anwenderzufriedenheit, Nutzen & Perspektiven“ der Trovarit AG ist die größte herstellerunabhängige Anwenderstudie zum ERP-Einsatz in Europa. Die Feldphase der Online-Befragung fand von März bis Juli 2014 statt. Die wichtigsten Kennzahlen:

Fast 2400 Befragungen wurden ausgewertet, davon etwa 500 von Anwendern aus der Elektroindustrie.
Insgesamt wurden 53 ERP-Systeme bewertet, davon 13 in der Branche Elektroindustrie.
Etwa zwei Drittel der teilnehmenden Unternehmen gehören dem Mittelstand an.
Die Teilnehmer stammen überwiegend aus Deutschland (72 Prozent), Österreich (13 Prozent) und der Schweiz (12 Prozent).
Die Befragten vertreten vor allem die Unternehmensbereiche EDV (46 Prozent), Geschäftsführung (21 Prozent) sowie Finanzen und Controlling (13 Prozent).
Die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.trovarit.com/erp-praxis


Angesichts der großen Bedeutung von ERP-Software für den Unternehmenserfolg untersucht die Trovarit-Studie „ERP in der Praxis“ seit nunmehr 10 Jahren regelmäßig aus Sicht der ERP-Anwender, wie die ERP-Realität in Unternehmen aussieht. Bei der Jubiläumsausgabe konnte die größte unabhängige Anwenderstudie zum ERP-Einsatz in Europa mit insgesamt 2.393 gültigen Fragebögen erneut einen Teilnehmerrekord verzeichnen. Die Bewertung von über 50 ERP-Lösungen zeigt im Vergleich zu 2012 insgesamt leichte Verbesserungen der Anwenderzufriedenheit, Die Gesamtbewertung der ERP-Lösungen liegt sehr stabil bei einer uneingeschränkten Schulnote „Gut“. Bei etwas größeren Schwankungen auf gleichem Niveau liegt die Gesamtbeurteilung für die Dienstleistungsqualität.

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Spezialisierung, aktuelle Release-Stände und Kundenpflege werden honoriert

Wie in den Vorjahren schneiden „schlanke“ ERP-Lösungen, ausgesprochene Branchenlösungen und/oder Lösungen kleinerer Anbieter am besten ab, deren Kunden vor allem den kleineren und mittleren Unternehmen zuzurechnen sind (vgl. Abb. 1). Die besten Lösungen für größere Anwender finden sich dagegen im hinteren Mittelfeld.

Allerdings zeigt das Portfolio auch, dass Branchenspezialisten und kleinere ERP-Anbieter bzw. ‑Lösungen nicht zwangsläufig Spitzenwerte im Hinblick auf die Anwenderzufriedenheit erzielen. Vielmehr gibt es hier signifikante Unterschiede, deren Ursachen in der jeweiligen Software-Lösung und dem Auftreten des Anbieters am Markt zu suchen sind.

Die Studie zeigt insgesamt, dass sich die Größe und Komplexität einer ERP-Installation deutlich dämpfend auf die Anwenderzufriedenheit auswirkt. Wichtige Indikatoren sind hier die Anzahl der ERP-Anwender, der implementierte Funktionsumfang, die Zahl der an die ERP-Lösungen angebundenen Standorte und der Grad der Internationalisierung der Installation. Gründe hierfür sind ein hohes Anforderungsniveau in Verbindung mit spürbar größerem Aufwand bei auf Einführung, Wartung und (End‑)Anwenderbetreuung.

Ebenfalls nachteilig auf die Anwenderzufriedenheit wirken sich veraltete Release-Stände aus. Dieser Aspekt schlägt sich bei größeren ERP-Installationen besonders belastend nieder, da Anwender hier – offenbar aufgrund des mit dem Release-Wechsel verbundenen Aufwands – in größeren Abständen modernisieren als bei kleineren Installationen. So bewegt sich das durchschnittliche Alter der Release-Stände bei den Lösungen mit großen Kunden in der Regel bei drei und mehr Jahren während es bei Lösungen für kleinere Unternehmen bei unter einem Jahr liegt.

Zufriedenheit im Detail

Betrachtet man die Bewertungen der anderen Zufriedenheitsaspekte im Detail, ergibt sich ein sehr differenziertes Bild. Die Aspekte, auf die im Rahmen der Projektierung besonders geachtet werden muss, sind vor allem:

  • systembezogene Aspekte wie „Mobile Einsetzbarkeit“, „Formulare und Auswertungen“, „Internationalität“, „Aufwand zur Datenpflege“, „Usability/Anwenderfreundlichkeit“, „Performance“ und die „Integrationsfähigkeit über Schnittstellen“,
  • klassische Projektkenngrößen wie „Einhaltung des Budgets“, „Einhaltung des Terminplans“ und „erforderlicher Personalaufwand“ sowie
  • Support-Services wie das „Schulungs- & Informationsangebot“ oder auch die „Beratung zur Optimierung des ERP-Einsatzes“.

Dabei gibt es mit der „Mobilen Einsetzbarkeit der ERP-Software“ mit deutlichem Abstand ein neues „Schlusslicht“ unter den Zufriedenheitsaspekten. Offenbar ist es mit der uneingeschränkten Nutzung der ERP-Lösung, also „zu jeder Zeit und an jedem Ort“, bei weitem nicht so weit gediehen, wie die Anwender das heute erwarten bzw. von anderen Software-Anwendungen – nicht zuletzt auch aus dem privaten Bereich – gewohnt sind.

Aus der Gesamtschau stellt sich auch die erstmals untersuchte „Internationale Einsetzbarkeit der ERP-Software“ als Schwachpunkt dar. Angesichts eines schwachen „gut“ bestehen offenbar erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Möglichkeiten, mit einer Lösung z.B. die verschiedenen rechtlichen und sprachlichen Anforderungen zu adressieren, die ein internationaler Einsatz einer zentralen ERP-Lösung mit sich bringt.

Spürbare Verbesserungen der Zufriedenheit im Vergleich zum Jahr 2012 zeigen sich bei einer Reihe von Schwachstellen wie z.B. „Release-Fähigkeit“ und „Formulare & Auswertungen“ sowie beim „Engagement der Consultants im Projekt“ und dem „Support bei Release-Wechseln“. Spürbar negativ hat sich dagegen die Zufriedenheit mit der „Anwenderschulung im Rahmen der ERP-Einführung“ sowie mit dem „Schulungs- und Informationsangebot“ entwickelt.

Die differenzierte Betrachtung der Zufriedenheitsaspekte fördert schließlich zutage, dass die allgemeine Zufriedenheit mit dem ERP-System bzw. -Anbieter zwar hoch ist, es im Detail jedoch auch wichtige Kritikpunkte gibt. Sehr deutlich wird dies z.B. bei der Zufriedenheit mit dem System. Der „Gesamteindruck“ ist wesentlich besser als die Bewertung nahezu aller Einzelaspekte. Für ERP-Anbieter lässt sich daraus nicht zuletzt ableiten, dass sie auf der Suche nach Verbesserungspotenzialen ins Detail gehen müssen!

Ähnlich gelagert ist der Sachverhalt bei der Bewertung des Einführungsprojektes: Hier zeigt sich eine typische Charakteristik von Infrastrukturprojekten, bei der die Verant­wortlichen – z.T. auch aus Gründen des Selbstschutzes – im Nachgang dazu neigen, die Sachlage etwas besser zu bewerten, als sie objektiv gesehen tatsächlich ist.

Themen & Trends im ERP-Umfeld

Die Studie zeigt, dass sich Umgang und Erwartungshaltung der Anwender im Hinblick auf ERP mit der Zeit deutlich verändern. An der Spitze der Treiber und Trends rangieren 2014 Themen wie „Verbesserung der Usability“, „Mobiler ERP-Einsatz“ sowie einer „Rollen- & Kontextbasierte Benutzerführung“. Diese sind sehr unmittelbar mit der Nutzung der ERP-Software als Werkzeug für den Arbeitsalltag verbunden. Hier schlägt sich sicherlich nieder, dass es mit der Bedienerfreundlichkeit der ERP-Software in der Vergangenheit nicht so weit her war. Zahlreiche Entwicklungsinitiativen auf der Anbieterseite lassen hier für die kommenden Jahre deutliche Fortschritte erwarten.

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Der mobile Einsatz von ERP-Software ist bereits weit verbreitet – jedenfalls, wenn man darunter die Nutzung über das Internet per Laptop versteht. Der Einsatz über das Smartphone oder den Tablet-PC setzt aufgrund des beschränkten Platzangebotes und ggf. Bedienung über den Touch-Screen eine völlig neue Oberflächengestaltung voraus, an der eine Reihe von ERP-Anbietern derzeit noch fieberhaft arbeiten. Ebenfalls problematisch ist es derzeit noch um die „Offline-Fähigkeit“ der ERP-Anwendungen bestellt, die angesichts der Lücken in den Mobilfunknetzen durchaus ene Notwendigkeit darstellt.

Auf den Plätzen des Themen-Ranking folgen „Internationalisierung“ (ca. 20%), „Enterprise Application Integration bzw. Schnittstellenmanagement“ (ca. 19%) und ein umfassendes „Enterprise Information Management“ (ca. 15%). Daraus lässt sich durchaus ein spürbarer Trend zu mehr Durchgängigkeit in der Informationsversorgung ableiten – sei es über Unternehmensebenen, Aufgabenbereiche oder auch Standorte und Regionen hinweg. Ziel ist es offenbar, die Ressource „Information“ zukünftig deutlich umfassender und auch gezielter zu bewirtschaften.

Einige der Themen, die in den einschlägigen Fachmedien und –kreisen sehr hoch gehandelt werden, offenbaren dagegen noch deutlichen (Er-)Klärungsbedarf: So messen nur 5,7% der Befragten dem „Cloud Computing“ eine große Relevanz zu, wenn es um ERP geht. Bei „Social Media“ sind es sogar nur 5,2% und „Industrie 4.0“ landet mit mageren 4,1% am Ende der Liste der Treiber für Veränderungen des ERP-Einsatzes. Hier besteht noch hoher Erklärungsbedarf, da fast 40% der Befragten mit dem Begriff „Industrie 4.0“ (noch) nichts anfangen können. Letzteres gilt in ähnlichem Maße für Themen wie „Big Data“ oder „Bring Your Own Device/BYOD“.

Anforderungen an ERP-Systeme

Dementsprechend tauchen bei den genannten Anforderungen an ERP-Systeme diese Begriffe selten auf, wenn sie sich auch zum Teil hinter Aspekten wie z.B. „Moderne Technologie“ verstecken mögen.

Die wichtigste Anforderung bei der Auswahl einer ERP-Lösung war bei allen bisherigen Untersuchungen und bleibt auch weiterhin die „Funktionale Eignung“, die in ca. 70% der Projekte als ausschlaggebend genannt wurde. Erst mit einigem Abstand folgen „Praktikabilität/Mittelstandseignung“ (ca. 41%) und „Flexibilität der Software“ (ca. 40%).

Der Aspekt „Flexibilität“ hat in den vergangenen Jahren allerdings deutlich an Bedeutung gewonnen (Vergleich Projekte aus 2003 vs. 2013: bei +11,4% der Projekte ausschlaggebend). Ähnliches gilt für „Man kennt sich schon/Beibehaltung des Lieferanten“ (+9,7%), „Geringe Anschaffungskosten“ (+5,8%), „Usability/Anwenderfreundlichkeit“ (+4,7%), „Mobile Nutzbarkeit“ (+4,1%) und „Internationale Ausrichtung der Software“ (+3,5%).

Die „Release-Fähigkeit“ der Software und die „Betriebskosten“ sind dagegen weniger ausschlaggebend, wenn es um die Anschaffung einer neuen ERP-Lösung ging. Dies scheint sich in der Folge zu rächen, da z.B. der „Aufwand bzw. Support bei Release-Wechseln“ überdurchschnittlich stark kritisiert werden. Offenbar sind derartige Leistungskriterien den Anwendern aber in der Auswahlphase entweder nicht gegenwärtig oder aber einfach schlecht zu greifen, so dass sie kaum berücksichtigt werden (können).

In Abhängigkeit der Unternehmensgröße unterscheiden sich die Anforderungsschwerpunkte zum Teil recht deutlich. Größere Unternehmen legen überdurchschnittlich viel Wert auf „Funktionaliät“, „Moderne Technologie“, „Technologieplattform der ERP-Lösung passt zu den Vorgaben der IT-Strategie“ und „Internationale Ausrichtung der Software“. Darüber hinaus ist größeren Unternehmen die „Wirtschaftliche Perspektive des Anbieters“ und eine „große Verbreitung der ERP-Software“ besonders wichtig. Kurz: Größere Unternehmen legen sehr großen Wert auf alle Aspekte, die „Investitionssicherheit“ und einen effizienten IT-Betrieb belegen. Kleinere Unternehmen legen überdurchschnittlich viel Wert auf die „Mittelstandseignung“ und die „Bedienerfreundlichkeit“ der Software. Darüber hinaus spielen die regionale Nähe sowie das Auftreten des Anbieters eine überdurchschnittliche Rolle. Kurz: Bei kleineren Unternehmen stehen der unmittelbare Nutzen und die Praktikabilität der ERP-Software deutlich stärker im Vordergrund.

Download Management Summary

Das Management Summary mit den wichtigsten Ergebnissen der Studie steht unter folgendem Link zum kostenlosen Download zur Verfügung: www.trovarit.com/erp-praxis


Die zunehmende Vernetzung und Geschwindigkeit von Geschäftsabläufen macht nicht an Ländergrenzen halt. Internationalisierung ist daher ein Kernbestandteil erfolgreicher Unternehmensstrategien im globalen Markt. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Die zunehmende Digitalisierung von Unternehmensabläufen beschert deutschen Firmen zusätzliches Wachstumspotenzial auf dem Weltmarkt, wie eine aktuelle Studie des Bitkom belegt. Fast 50 Milliarden Euro Exportumsatz wurde demnach allein im Jahr 2012 durch die Digitalisierung generiert.

Initiativen wie ERP 2020 und Industrie 4.0 zeigen, dass die IT-Anbieter die Zeichen der Zeit erkannt haben und Anwenderunternehmen bei ihrem Transformationsprozess in Richtung Echtzeit-Business unterstützen. Doch der Blick in die Praxis des deutschen Mittelstands zeigt: Zunächst geht es vor allem darum, Standardprozesse wie Angebotserstellung, Auftragsabwicklung und Abrechnung auf internationaler Ebene rechtlich einwandfrei und so effizient wie möglich abzubilden. Damit das gelingt, muss die eingesetzte Unternehmens-Software eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllen – auch dann, wenn das jeweilige Anwenderunternehmen selbst keine Standorte im Ausland betreibt.

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No English, please

Mehrsprachigkeit ist eine zentrale Anforderung an ERP-Systeme für den internationalen Geschäftsverkehr. Wer Waren ins Ausland liefert, sollte beispielsweise in der Lage sein, Lieferscheine in der jeweiligen Landessprache auszudrucken, unabhängig von der Frage, wo sich die Firmenstandorte befinden. Für die ERP-Software bedeutet das: Sie muss Unicode-fähig sein, um auch Sprachen mit Sonderzeichen wie Arabisch oder Russisch verarbeiten zu können. Dies gilt natürlich umso mehr, wenn eine Firma Standorte im Ausland unterhält: In diesem Fall müssen auch die Benutzeroberfläche und das Hilfesystem in der Landessprache verfügbar sein. Englisch als „Weltsprache“ ist in vielen Ländern kein adäquater Ersatz, weil nicht alle Benutzer eines ERP-Systems über den dazu nötigen Bildungsstandard oder die kulturelle Bereitschaft verfügen.

 Alles rechtens?

Andere Länder, andere Gesetze – und andere Währungen. Diese Tatsache macht Unternehmen weltweit zu schaffen. Selbst innerhalb der EU sind bei einem Standardprozess wie der Rechnungserstellung unterschiedliche Gegebenheiten wie etwa verschiedene Mehrwertsteuersätze zu berücksichtigen. Hinzu kommt: Nicht nur in Deutschland und Europa ändern sich die Gesetze. Besonders häufig geschieht dies in Staaten wie Russland oder China. Und in Brasilien beispielsweise empfehlen selbst die Vertreter eines weltweit marktführenden ERP-Herstellers, für die Buchhaltung lokale Speziallösungen zu wählen, da es ihnen nicht wirtschaftlich möglich sei, angesichts der häufigen Änderungen der Finanz- und Steuergesetzgebung vor Ort die Aktualität der Systeme in diesem Bereich zu gewährleisten. Auch Zollbestimmungen und Umweltverordnungen ändern sich vielerorts häufig.

Multi-Site-Management für Intercompany-Prozesse

Firmen, die mit „verlängerter Werkbank“ im Ausland arbeiten, kennen die Aufgabe: Der Kunde in Land A bestellt ein Produkt, das in Land B gefertigt wird. Lieferschein und Rechnung werden von der Unternehmenszentrale in Deutschland erstellt. Damit dieser Prozess möglichst schnell und reibungslos abläuft, ist ein hohes Maß an Automatisierung erforderlich. Moderne ERP-Lösungen bringen die dazu nötige Funktionalität in der Regel mit, doch unterscheiden sich die Systeme im Detail teilweise recht deutlich. Entscheider sollten sich derartige Abläufe deshalb im Hinblick auf die Eignung für das eigene Business demonstrieren lassen – unter realen Bedingungen. Genauso wichtig ist ein zentrales Daten-Management, das mit Transparenz in der Buchhaltung und möglichst effizientem Controlling schnelle und fundierte unternehmerische Entscheidungen unterstützt.

ERP als Wachstumsförderungsprogramm

Wachstum ist ein zentrales Ziel bei jeder Internationalisierung. Dabei geht es nicht nur um mehr Benutzer und neue Standorte. Auch eine geänderte Geschäftsform, neue Unternehmensbereiche, wie etwa eine zugekaufte Fertigung, sowie neue Vertriebskanäle müssen Unternehmen möglichst schnell und reibungslos integrieren, wenn sie ihre Markposition ausbauen wollen. ERP-Lösungen müssen deshalb in möglichst vielen Dimensionen anpassbar sein – das zeigen auch die regelmäßigen Anwenderbefragungen der Trovarit AG. Skalierbarkeit und Flexibilität sind Kernanforderungen, wenn die ERP-Software das internationale Wachstum fördern und nicht behindern soll.

Die Zusammenarbeit ist erfolgsentscheidend

Aus repräsentativen Befragungen von ERP-Anwendern und aus unserer Beratungstätigkeit wissen wir: Die Zusammenarbeit zwischen Hersteller, Implementierungspartner und Anwenderunternehmen ist entscheidend für den Erfolg von ERP-Einführungen. Für internationale ERP-Projekt bedeutet das: Entscheider sollten von Anfang an gezielt nach der Vor-Ort-Unterstützung im Ausland fragen, sowohl während der Implementierungsphase als auch danach:

  • Unterhält der Anbieter selbst Standorte in den Staaten, in denen die Lösung eingesetzt werden soll?
  • Welche konkreten Services erbringt der Hersteller selbst vor Ort?
  • Sind personelle Ressourcen für technische Problemlösungen vorhanden?
  • Verfügt der Anbieter über Partner mit muttersprachlichen Fachleuten in den jeweiligen Ländern?
  • Wie ist die Zusammenarbeit der Niederlassungen und/oder Partner in verschiedenen Ländern geregelt?
  • Welche Qualifikationen haben die handelnden Personen in den beteiligten Ländern aufzuweisen? Zertifikate? Referenzen?
  • Wer ist der zentrale Ansprechpartner für den Kunden?
  • Gibt es ein einheitliches, transparentes Verfahren für die Software-Einführung mit standardisiertem Berichtswesen über den Projektverlauf?
  • Wie läuft der Roll-Out ab? Ist die muttersprachliche Schulung der künftigen Benutzer gewährleistet?
  • Wie ist der Support nach der Einführung organisiert?

Kein System kann alles

Nach unseren Erkenntnissen gibt es derzeit keinen ERP-Hersteller, dessen Produkte weltweit in vollem Funktionsumfang in der gleichen Qualität verfügbar sind. In den meisten Fällen wird dies auch nicht benötigt. Umso wichtiger ist es, im Projektverlauf möglichst früh zu definieren und zu dokumentieren, welche Anforderungen wo erfüllt sein müssen, um die geeignete Lösung – oder eine Kombination verschiedener Lösungen – zu finden. Dabei sollten unbedingt auch die geplante Entwicklung des Unternehmens und die daraus resultierenden künftigen Anforderungen mit einbezogen werden. In der Regel ist es am Schluss eine Frage der Bewertung einzelner Anforderungen, für welches System sich der Anwender entscheidet. Zwei Punkte allerdings sollten immer gegeben sein, bevor es an die Realisierung geht: Muttersprachliche Unterstützung vor Ort und die Möglichkeit zum Austausch mit Kunden, die vergleichbare Anforderungen haben.

ERP im Ausland ist mehr als Software

Zwar sind moderne ERP-Systeme prinzipiell immer für den internationalen Einsatz konzipiert, doch die Tücken der Praxis stecken im Detail. Dabei geht es nicht nur um technische und funktionale Aspekte der Software. Vielmehr kommt gerade beim internationalen Einsatz den Faktoren Service und Beratung erhebliche Bedeutung zu. Denn eine umfassende Funktionalität nützt dem Anwender nichts, wenn er niemanden hat, der ihn bei der Einführung der Lösung an seinen Auslandsstandorten unterstützt. Entscheider, die sich mit der Einführung von ERP-Systemen für den internationalen Einsatz befassen, sollten daher von Anfang an bedenken, dass es nicht nur um die Anforderungen an die Software geht. Ebenso wichtig ist beispielsweise die Klärung der technischen Randbedingungen: Welche Leitungen sind mit welchen Bandbreiten an den unterschiedlichen Standorten verfügbar? In Schwellenländern ist häufig auch die Stromversorgung ein Thema. Um sicherzugehen, dass keine wichtigen Punkte übersehen werden, sollten Anwender grundsätzlich auf drei Erfolgsfaktoren für internationale ERP-Projekte achten:

  1. Gehen Sie systematisch vor – sowohl bei der Auswahl von Hersteller und System, als auch bei der Implementierung Ihrer ERP-Lösung.
  2. Sichern Sie sich die Unterstützung durch Partner mit Erfahrung in Ihren Märkten.
  3. Nehmen Sie Ihre Belegschaft an den verschiedenen Standorten mit. Wenn Sie wollen, dass Ihre Lösung in Brasilien, Indien, Russland oder China genutzt wird, müssen die dortigen Anwender nicht nur die Benutzeroberfläche, sondern auch die Logik des Systems verstehen.

Ergebnis der Podiumsdiskussion auf der Cebit 2014

Moderation: Fritz Niehsen, FN Food & Nutrition Affairs,

Teilnehmer: Ekkehard Ziesche, GUS-Group, Wolfgang Schiek, SAP-Partner Innovabee, Martin Schildmacher, Microsoft-Partner Modus-Consult, Dr. Peter Schimitzek, CSB-System.

Generalist oder Spezialist
Ist eine branchenspezifische Business Software notwendig oder reicht ein Allround ERP-System über alle Branchen aus? Am Beispiel der Lebensmittelwirtschaft.

Frage des Moderators an Herrn Ziesche, GUS-Group:

„Das Branchen Know How macht die GUS zu einem effektiven Ratgeber unabhängig vom eigenen Produkt…..Wir wollen mehr diskutieren und weniger präsentieren“, so lese ich in Ihrer Firmendarstellung. Was diskutieren Sie mit einem Unternehmer der Lebensmittelwirtschaft, der eine Software im Einsatz hat, mit der er besser Schrauben als Pralinen produzieren könnte?

E. Ziesche: Wir sprechen mit den Unternehmen über Geschäftsprozesse. Wenn das Unternehmen, das Pralinen produziert, Software im Einsatz hat, die besser zur Schraubenfertigung geeignet ist, so stellt das eine bizarre Situation dar, aber es ist dennoch völlig unabhängig, ob die Software geeignet oder nicht geeignet ist. Wenn wir sagen, wir diskutieren, dann meinen wir, mit dem Kunden über Geschäftsprozeese reden, Wir nehmen die Prozesse mit ihm zusammen auf, qualifizieren sie und versuchen, unter unternehmerisch spezifischen, Branchen und Subbranchen Aspekten eine Analyse vorzubereiten. Da spielt es gar keine Rolle, welche Software nachher zum Einsatz kommen soll. Wir nehmen alle Prozesse auf, die, die nicht mehr zum Einsatz kommen bis zu denen, die das Unternehmen nach vorne bringen. Aus dieser Melange bilden wir die Grundlage für die Implementierung.

Moderator: Herr Schildmacher (Modus), sie schütteln den Kopf, sind Sie mit der Melange nicht einverstanden?

M. Schildmacher: Doch, doch, völlig, so gehen wir auch vor.


Die Planung und Steuerung der inner- wie auch der überbetrieblichen Logistik stellt in der Kunststoffindustrie die dort eingesetzten ERP Systeme vor große Herausforderungen. Besonderheiten beim ERP Einsatz in der Kunststoffindustrie Zu den Besonderheiten der Branche, in der Fertigungsverfahren wie der Spritzguss oder die Extrusion weit verbreitet sind, zählen

  • eine ausgeprägte Prozesscharakteristik mit Batch-Fertigung,
  • Kuppelproduktion,
  • eine sehr ausgeprägte Werkzeugverwaltung (Grundwerkzeug, Formnester) unter Berücksichtigung von Verfügbarkeiten und Standzeiten sowie
  • eine intensive Nutzung der Maschinendatenerfassung (MDE) für die prozessbegleitende Qualitätssicherung (z.B. Inline-Recycling) und Fertigungssteuerung (z.B. Schusszahlen, Maschinenstatus).

Schließlich unterliegen viele Kunststoffverarbeiter zusätzlich kundenseitigen Anforderungen, die sich stark auf den ERP-Einsatz auswirken: Z.B. müssen Automobilzulieferer oftmals sehr komplexe Verpackungsvorschriften ihrer Kunden abbilden oder Lieferanten für die Medizintechnik die lückenlose Rückverfolgbarkeit einzelner Bauteile gewährleisten. Ziele des ERP Einsatzes in der Kunststoffindustrie Wie die Studie „ERP-Einsatz in der Praxis“ der Trovarit zeigt, erfolgt der ERP Einsatz in der Kunststoffindustrie überproportional stark mit dem Ziel, die Kapazitätsauslastung des – oft kostspieligen – Maschinenparks zu erhöhen, Kosten zu senken und die Kundenzufriedenheit mit der Auftragsabwicklung (z.B. Termintreue) zu steigern. Um diese Ziele zu erreichen, legen Kunststoffverarbeiter bei der ERP Auswahl großen Wert auf eine geeignete Software-Funktionalität. Darüber hinaus soll die Software mittelstandstauglich, anwenderfreundlich und möglichst flexibel sein. Eine relativ große Rolle bei der ERP-Auswahl spielt auch das Kosten-/Nutzenverhältnis sowie die Fachkompetenz des ERP-Anbieters. ERP Systeme: Das sind die Branchenspezialisten Angesichts der ausgeprägten Branchencharakteristik ist es nicht verwunderlich, dass in der Kunststoffindustrie vor allem die Branchenspezialisten unter den ERP Systemen das Sagen haben. Neben AlfaPlus (SWP Irma), STEPbasic (STEPSOFT), PPS-Plus (HKS-Systems) sowie FOSS (Ordat) sind hier auch die „ERP-Riesen“ vertreten: Dabei bieten Sage (wincarat) und Infor (Infor ERP COM) im deutschsprachigen Raum direkt an, während Microsoft (z.B. Modus Plastics/Modus, Dynamics Plastic Technology/KCS) und SAP (All for Plastic/All for One Steeb, it.chemicals/itelligence) ihre Partner mit entsprechenden „Branchenlösungen“ ins Rennen schicken.

ERP Einsatz im Urteil der Kunststoffindustrie Die in der Kunststoffindustrie genutzte ERP-Infrastruktur muss nicht nur viele Branchenbesonderheiten abbilden, sondern ist auch überdurchschnittlich umfassend, um nicht zu sagen „komplex“: Neben dem ERP-Kern (Finanzbuchhaltung, Auftragsabwicklung und PPS) setzen viele Unternehmen auch auf Module für BDE und MDE, CAQ aber auch CRM und SCM. Im Alltag machen sich diese Herausforderungen durchaus bemerkbar, was sich widerum in der Bewertung der eingesetzten ERP Systeme durch Unternehmen der Kunststoffindustrie zeigt: So bemängeln weit überdurchschnittlich viele Kunststoffverarbeiter den Aufwand bei Updates bzw. Release-Wechseln sowie eine mangelnde Abbildung der Geschäftsprozesse wg. funktionaler Defizite. Offenbar wirkt sich hier der hohe Grad an Integration in Verbindung mit – vielfach notwendigen – überproportional starken Anpassungen des Software-Standards negativ auf die Release-Fähigkeit der ERP-Software aus.


Von Dr. Karsten Sontow und Peter Treutlein, Trovarit AG Cloud, Business Apps, Social Networks, zunehmende Digitalisierung, E-Bilanz…Wenn Unternehmen angesichts dieser Flut von Trends und neuer gesetzlicher Vorgaben derzeit ihr ERP System erneuern wollen – sei es durch Modernisierung der vorhandenen oder durch Anschaffung eines neuen ERP Systems – dann sollten sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: Ein ERP System ist letztlich ein Werkzeug, das hilft, Strategien zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen mit Leben zu füllen.Laut den Teilnehmern der Trovarit-Studie „ERP / Business Software: Nutzenbeitrag der Modernisierung“ ist die  wichtigste IT-relevante Strategie der kommenden Jahre die Steigerung der Effizienz und Schnelligkeit der  Unternehmensprozesse. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dynamik in den Geschäftsprozessen und der bereichsübergreifenden Vernetzung der Informationen ist es nicht verwunderlich, dass  Strategien dichtauf folgen, die insbesondere darauf abzielen, (…)


Die Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen wirtschaften, haben sich in den letzten Jahren deutlich verschärft: Immobilien-, Banken-, Eurokrise, steigender Wettbewerbsdruck und zunehmende Internationalisierung sind nur einige der Herausforderungen, die Unternehmen in jüngster Vergangenheit bewältigen bzw. in naher Zukunft noch angehen müssen.
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Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf Organisation, Prozesse und deren Unterstützung durch die IT-Landschaft in den Unternehmen sind immens: Geschäftsprozesse verändern sich mit zunehmender Geschwindigkeit – sei es in Reaktion auf das dynamische Umfeld oder weil die Unternehmen proaktiv Entwicklungen zuvorkommen und Chancen wahrnehmen wollen – und fordern immer mehr Flexibilität und Effizienz von IT- bzw. Business Software Lösungen. So nennen dann auch die Teilnehmer der aktuellen Trovarit-Studie „ERP/Business Software: Nutzenbeitrag der Modernisierung“ die Steigerung der Effizienz und Schnelligkeit der Unternehmensprozesse als wichtigste IT-relevante Strategie der kommenden Jahre. Dicht gefolgt von Strategien, die insbesondere darauf abzielen, Prozesse nicht nur effizient gestalten sondern auch effizient umgestalten zu können. Insgesamt besteht das Ziel also in einer dynamischen Beherrschung der Unternehmensprozesse, welche es ermöglicht, sowohl Effizienz als auch Flexibilität zu optimieren. Warum Modernisierung von ERP-Installationen?
Dementsprechend wird von den Teilnehmern der Studie als häufigster Auslöser für die Modernisierung einer ERP-Software auch „Geänderte Anforderungen / Prozesse (z.B. Reorganisation)“ genannt (vgl. Abb. 1). Gegen eine Modernisierung der ERP-Software spricht – abgesehen von fehlendem Handlungsbedarf – in vielen Fällen das „erwartete Kosten-/Nutzenverhältnis“, wobei bei fast 25% der Teilnehmer allerdings auch Unsicherheit über den Nutzen von Modernisierungsmaßnahmen besteht. Da Kosten bei einer ERP-Modernisierung absehbar sind, wirkt diese Unsicherheit deutlich modernisierungshemmend.
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Dem Wunsch, sich neue Entwicklungen im Bereich der ERP-Lösungen zu Nutze zu machen, steht in vielen Unternehmen also die Frage gegenüber, ob sich eine Modernisierung der vorhandenen ERP-Infrastruktur lohnt. Zur Beantwortung dieser Frage gilt es zunächst zu klären, an welchen Punkten die Modernisierung einer ERP-Installation überhaupt ansetzen kann und welcher Nutzen sich im Einzelnen erzielen lässt. Laut den Teilnehmern der Trovarit-Studie können die größten Effekte im Bereich der „Transparenz“ erzielt werden: Im Vergleich zu „älteren“ (letzte Modernisierung vor 2008) Installationen, attestieren die Nutzer von „neueren“ Installationen ihrem System viel häufiger, dass sie zur „Nachvollziehbarkeit von Informationen“ (Steigerung ca. +20%), „Transparenz und Prozessverständnis“ (+17%) und „Bereitstellung nützlicher und korrekter Informationen“ (+16%) beitragen.


Business Performance Index Mittelstand Fertigung D/A/CH 2012 Soeben ist die 2. Ausgabe des Business Performance Index Mittelstand Fertigung D/A/CH erschienen. Die Fertigungsbranche hat ihre Prozessqualität offenbar leicht verbessert. 841 Unternehmen, erstmals auch aus der Prozessindustrie, ließen sich für den BPI befragen. Die techconsult-Studie untersucht neben dem Business Performance Index (BPI) auch den IT-Unterstützungsgrad, den Reifegrad innovativer IT-Lösungen und den Unternehmenserfolg bzw. Prozesserfolg. Die gute Nachricht: Bei keiner dieser Kennzahlen wurde eine Verschlechterung gegenüber der 1. Studie gemessen, die im März 2011 veröffentlicht wurde. Der BPI, bei dem nach der Qualität der Prozessausführung und der Prozessrelevanz gefragt wird, erhöhte sich zwar nur um einen Indexpunkt, der Reifegrad der innovativen IT-Lösungen aber z.B. verbesserte sich um zehn Punkte auf einen Wert von 68. Für diese starke Steigerung nennt Studienleiter Heiko Henkes von techconsult zwei mögliche Gründe: „Zum einen fördert die seit Längerem anhaltende positive konjunkturelle Entwicklung die Investitionsbereitschaft in neue IT-Lösungen und zum anderen führe größerer Konkurrenzdruck dazu, dass mittelständische Fertiger sich intensiver als noch vor einem Jahr mit innovativen IT-Lösungen befassen.“ Dafür spreche auch, dass bereits knapp ein Fünftel der Fertiger mit Software as a Service (SaaS) eine relativ neue Form des Softwarebezugs nutzen.

Groß im Kommen: Mobile-Devices

Zentral verwaltete mobile Geräte, wie Laptops und Smartphones sind mit +/- 20% weit verbreitet. Tablet-PCs und Slates hingegen sind noch seltener vertreten, hier liegt der Durchdringungsgrad gerade erst bei 2,5 %. Als größte Herausforderungen in der Fertigungsindustrie werden die Themen Kosten senken/Effizienz steigern, Personalakquisition sowie Kundenbindung genannt. Speziell die Prozessfertiger sehen zusätzlich in der Verbesserung der IT-Unterstützung eine große Herausforderung: Insbesondere dem gezielten und bedarfsorientierten Zugriff auf Unternehmenskennzahlen zur Beschleunigung und Verbesserung von Entscheidungsprozessen wird eine herausragende Bedeutung zugeschrieben.

Die Mittelgroßen erweisen sich leistungsstärker als große Mittelständler

Im Vergleich diskrete Fertigung und der erstmals einbezogenen Prozessindustrie schneidet die diskrete Fertigung mit 72 um einen Indexpunkt besser ab als die Prozessfertiger. In beiden Bereichen erwiesen sich die Unternehmen mit 500 bis 999 Mitarbeitern als leistungsstärker als die Unternehmen des gehobenen Mittelstands mit über 1000 Mitarbeitern. Peter Burghardt, Managing Director des Kasseler Beratungsunternehmens dazu: „Der gehobene Mittelstand benötigt bereits Strukturen wie ein Großunternehmen, allerdings beherrscht er sie offenbar nicht so gut wie diese. Die mittelgroßen Mittelständler profitieren dagegen von den traditionell schlanken mittelständischen Managementstrukturen.“

Der BPI – eine langfristig angelegte Studienreihe

Mit dem Business Performance Index hat techconsult eine langfristig angelegte Studienreihe aufgelegt, mit der Prozessleistungsfähigkeit, IT-Unterstützung und der Reifegrad innovativer IT-Lösungen in mittelständischen Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht werden. Dabei werden die Indizes neben der Fertigungsindustrie auch für die Branchen Dienstleistung und Handel erhoben. Außerdem werden die Branchenergebnisse in einer umfassenden Gesamtstudie dargestellt und bewertet, die im März 2013 zum zweiten Mal erscheint. In diesem Jahr werden noch die Branchenstudien Dienstleistung (September) und Handel (Dezember) erscheinen. Weitere Informationen über Ergebnisse, Methode und die Zusammensetzung der Indizes im Einzelnen erhalten Sie unter ­www.business-performance-index.de. Ermöglicht wurde die gesamte Langzeiterhebung durch die Unterstützung der Software-/Beratungshäuser SAP Deutschland AG & Co. KG, itelligence, INFO AG, TDS AG (a Fujitsu company), cormeta und TRIAS. Inhaltlich und ideell wird der BPI vom Software-Auswahlberater Trovarit aus Aachen sowie insbesondere vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) unterstützt.